Belgischer Missbrauchstäter und Ex-Bischof Vangheluwe gestorben
03.07.202614:04
Belgien/Kirche/Justiz/Missbrauch
Beisetzung im engsten Kreis hat bereits stattgefunden
Brüssel, 03.07.2026 (KAP/KNA) Der ehemalige Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, ist am Mittwoch im Alter von 89 Jahren verstorben. Das teilte die Belgische Bischofskonferenz am Freitag mit, wie die Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) meldet. Die Beisetzung habe im engsten Kreis bereits stattgefunden.
Vangheluwe war im April 2010 als Diözesanbischof zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er über Jahre einen Neffen sexuell missbraucht hatte. Vangheluwe räumte die Taten ein und gestand 2011 den Missbrauch eines weiteren Neffen. 2017 beschuldigte ihn ein damals 57-jähriger Mann, Anfang der 1970er Jahre als Ministrant von ihm missbraucht worden zu sein.
Nach weltlichem Strafrecht waren die Vangheluwe zur Last gelegten Taten verjährt. Laut kirchlichem Strafrecht kann die Verjährung bei schweren Verbrechen ausgesetzt werden. Im Jahr 2024 entließ Papst Franziskus Vangheluwe aus dem Klerikerstand.
Sorge um Missbrauchsbetroffene
Die Belgische Bischofskonferenz erklärte, man sei sich bewusst, dass die Nachricht vom Tod Vangheluwes bei Missbrauchsbetroffenen eine neue Welle der Emotionen auslösen könne. Weiter heißt es in der Mitteilung, die Bischöfe "erkennen das anhaltende Leid an, das durch den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche verursacht wurde, und bekräftigen ihr Engagement, die Opfer anzuerkennen und sich um sie zu kümmern".
Der Missbrauchsfall Vangheluwe hatte 2010 in Belgien große politische Weiterungen zur Folge. Kurz nach seinem Rücktritt stürmten staatliche Missbrauchsermittler im Rahmen der sogenannten "Operation Kelch" kirchliche Einrichtungen und beschlagnahmten Akten, Rechner und Handys der gerade in Mechelen versammelten Bischöfe. Der damalige Brüsseler Erzbischof Andre Leonard (86) und sein Vorgänger Kardinal Godfried Danneels (1933-2019) mussten vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen.