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Erzbischof Georg Gänswein
Bild Copyright: © Kathpress/Paul Wuthe

Gänswein fordert tätige Reue und Umkehr bei Piusbrüdern

05.07.2026 10:57
Deutschland/Kirche/Konflikte/Gänswein/Piusbrüder/Synodaler.Weg
Bald 70-jähriger früherer Papstsekretär Benedikts XVI. und Päpstlicher Nuntius im Baltikum bewertet Exkommunikation der Traditionalisten und Synodalen Weg in Deutschland
Berlin, 05.07.2026 (KAP/KNA) Der ehemalige Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, hat das Agieren traditionalistischen Piusbrüder kritisiert. "Wer ohne das päpstliche Mandat Bischöfe weiht, zieht sich automatisch die Exkommunikation zu", sagte der aktuell als Päpstlicher Nuntius im Baltikum tätige Deutsche in einem am Sopnntag verbreiteten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Exkommunikation sei eine Beugestrafe, die zur Einsicht und Umkehr führen solle. "Wenn jemand erkennt, dass er einen schweren Fehler begangen hat, und glaubwürdig umkehrt, hat er ein Recht darauf, dass die Exkommunikation aufgehoben wird", betonte Gänswein. "Tätige Reue und Umkehr sind nötig. Aber davon ist im vorliegenden Fall keine Rede."

2009 sei das anders gewesen. Damals hatte Papst Benedikt XVI. den Kirchenausschluss von vier Pius-Bischöfen aufgehoben. Sie "hatten Reue und Umkehr gezeigt und um Aufhebung der Exkommunikation gebeten".

Die Piusbrüder lehnen zentrale Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Sie sind gegen die Anerkennung der Religionsfreiheit und des ökumenischen Dialogs mit anderen Kirchen. Zudem beharren sie auf alten Formen des Gottesdienstes. Am vergangenen Mittwoch wurden in der Schweiz vier neue Bischöfe der Gemeinschaft geweiht.

Kritik am deutschen Kirchenkurs

Den Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland betrachtet Gänswein nach wie vor kritisch: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, was ich vom Synodalen Weg halte. Ausgangspunkt war die Frage, welche Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen sind. Aus dieser Absicht ist etwas anderes entstanden. Das ursprüngliche und eigentliche Anliegen kam abhanden."

Der Erzbischof erinnerte an den Brief, den Papst Franziskus damals an die deutschen Katholiken richtete - mit "klaren Aussagen" über Ziel und Inhalt einer Erneuerung des kirchlichen Lebens. Doch statt den Schwerpunkt auf die Evangelisierung zu legen, wie Franziskus es vorschlug, "drehte sich die Debatte immer stärker um Strukturen, Gremien und Machtfragen", so Gänswein. Viele Kräfte seien vergeblich gebunden worden. "Wenn ich heute mit gläubigen Katholiken spreche, höre ich oft: Das interessiert mich nicht", sagte der Erzbischof. "Die Menschen wollen den Glauben leben, sie suchen nach Orientierung und nach Gott. Genau darum müsste es gehen."

Georg Gänswein ist seit 2024 Apostolischer Nuntius in Litauen, Estland und Lettland mit Dienstsitz in Vilnius. Zuvor war er Privatsekretär des deutschen Papstes Benedikt XVI. bis zu dessen Tod 2022. Am 30. Juli wird Gänswein 70 Jahre alt.
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