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Scheuer kritisiert "Strukturfetischismus in der Kirche"

05.07.2026 15:43
Österreich/Kirche/Personal/Glaube/Scheuer/Priesterweihe/Orden
Linzer Bischof wendet sich bei Priesterweihe in Wels gegen Fokus auf Zahlen, Statistiken, Strukturen - Stattdessen Wahrnehmen heutiger Formen von Armut, Beziehungspflege und Segen auch für brüchige Welt
Linz, 05.07.2026 (KAP) Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat sich gegen einen "Strukturfetischismus in der Kirche" gewandt. Viele Sitzungen würden nach einem kurzen spirituellen Einstieg bei der Verwaltung, beim Geld, bei der Macht und bei Strukturen landen - und das auch im Bereich der Seelsorge. Die Weihe des Franziskanerbruders Adam (Raphael) Bergmann am Samstag in der Stadtpfarrkirche Wels könne dazu "ein heilsamer Kontrapunkt" sein, so der in seiner Predigt von Scheuer geäußerte Wunsch. Nicht Zahlen, Statistiken oder auch Strukturen sollten die Hauptrolle in kirchlichen und auch gesellschaftlichen Vollzügen spielen. "Beim Priesterberuf geht es ganz radikal um die Gottesfrage. Gott allein ist die Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Und er ist der Grund menschlicher Freiheit", so der Bischof.

Hinwendung zu Gott bedeute nach dem Vorbild der heiligen Franziskus, in dessen Ordenstradition der aus dem oberösterreichischen Marchtrenk stammende Weihekandidat verwurzelt ist, immer auch das Wahrnehmen von Armutserfahrungen, die jeder aus dem Alltag kennen. Scheuer nannte hier Entbehrung, Enttäuschung, Verzicht, Mangel an Angenommen- und Geliebtsein, jedes Zu-kurz-Kommen, Vergessen und Übersehen werden. Er erwähnte weiters Erfahrungen von Behinderten, leiblich und psychisch kranken und alten Menschen sowie Notleidenden.

"Angesicht solcher Erfahrungen werden Besitz, Geld und Macht relativiert", so Scheuer. Es gelte zum heute vorherrschenden Lebensstil eine wirkliche Alternative zu finden. Der heilige Franziskus sei der Überzeugung gewesen, dass Habgier und Geiz die Beziehungen des Menschen zu Gott stören und Ehrgeiz und Konkurrenzdenken den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen zunichtemachen. Er habe das evangelische Ideal der Liebe und Brüderlichkeit in seiner ganzen Fülle leben wollen, erinnerte der Bischof.

"Pflegen wir Beziehungen!"

Sein Appell: "Pflegen wir Beziehungen!" Auch wenn real existierende Familien und Gemeinschaften "kein idealistisches Paradies" seien, gelte es sich der Herausforderung zu stellen, "mit den Licht- und mit den Schattenseiten, mit Stärken und Defiziten, mit Begabungen und Behinderungen, mit den Rosen und Neurosen beziehungsreich umzugehen".

Der von den Nazis ermordete evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer habe die Haltung des Segnens als christliche Antwort auf Leid und Unrecht empfohlen. "Segnen, d.h. die Hand auf etwas legen und sagen: du gehörst trotz allem Gott", sagte Scheuer und wies hin: Neupriester Br. Adam werde von Berufs wegen ein Segnender sein.
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