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Kardinal Pizzaballa bei Wallfahrt in Levoca
Wallfahrt
Bild Copyright: © TKKBS / Martin Magda

Kardinäle Pizzaballa und Nemet: Christen sollen Friedensstifter sein

06.07.2026 11:01
Slowakei/Tschechien/Kirche/Glaube/Christentum/Gesellschaft/Wallfahrten
Großwallfahrten in Leovca, Nitra und Velehrad am ersten Juliwochenende in Slowakei und Tschechien
Bratislava/Prag, 06.07.2026 (KAP) Christen sollen authentisch Zeugnis für ihren Glauben geben und sich für Frieden und Versöhnung starkmachen. Das haben der Jerusalemer Kardinal Pierbattista Pizzaballa und der Belgrader Kardinal Ladislav Nemet in ihren Festpredigten bei den beiden sommerlichen Hauptwallfahrten der katholischen Kirche in der Slowakei am Wochenende betont. Pizzaballa leitete am Sonntag die zentrale Messe bei der Wallfahrt nach Levoca, die zu den größten Marienwallfahrten Mitteleuropas zählt. Trotz Regens nahmen laut Veranstaltern auch heuer rund 250.000 Gläubige am gesamten Pilgerwochenende zum Fest der Heimsuchung Mariens teil. Den Festgottesdienst zur Cyrill-und-Method-Wallfahrt in Nitra mit Kardinal Nemet am Samstag feierte auch der slowakische Staatspräsident Peter Pellegrini mit.

Die Sendung der Christen gründe nicht auf menschlicher Stärke oder Erfolg, sondern auf der persönlichen Gottesbeziehung und der Gegenwart Jesu in ihrem Leben, wandte sich Pizzaballa an die Gläubigen in Levoca. Die Kirche sei berufen, die Botschaft des Evangeliums mit Freude, Demut und Vertrauen zu verkünden. Deshalb dürften sich Gläubige auch angesichts von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen und wachsender Unsicherheit nicht entmutigen lassen.

Die christliche Hoffnung befähige dazu, Frieden zu stiften, Versöhnung zu fördern und die Würde jedes Menschen zu achten, so der Lateinische Patriarch von Jerusalem. Mit Blick auf seine Erfahrungen im Heiligen Land unterstrich Pizzaballa, dass das christliche Zeugnis gerade unter schwierigen Bedingungen besondere Glaubwürdigkeit gewinne.

Die Levoca-Wallfahrt stand heuer im Zeichen des 250-Jahr-Jubiläums der Diözese Spis. Wallfahrer würden einen "Weg der inneren Erneuerung" gehen, sagte der Zipser Bischof Frantisek Trstensky. Pilgern bedeute mehr als das Erreichen eines Wallfahrtsortes; entscheidend sei die Bereitschaft, sich von Christus verwandeln zu lassen. Trstensky ermutigte die Pilger, die geistlichen Impulse im Alltag weiterzutragen und den Glauben konkret in Familie, Beruf und Gesellschaft zu leben.

Nemet: Glaube so vermitteln, dass er die Menschen erreicht

Vor vielen Tausend Gläubigen bei der Wallfahrt in Nitra erinnerte Kardinal Német an das Wirken der Slawenapostel Kyrill und Method. Den Blick auf die Lebensgeschichte der beiden Glaubensboten verknüpfte der Belgrader Erzbischof mit der Einladung, "auf unsere Vergangenheit, auf unser heutiges Leben sowie auf unsere Berufung und Sendung zu schauen".

Mit Blick auf die Gegenwart betonte der Vizepräsident des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) die Verantwortung der Christen für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Frieden entstehe nicht allein durch das Ende von Kriegen, sondern müsse auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Solidarität gegründet sein, erinnerte Nemet. Europa müsse seinen christlichen Wurzeln treu bleiben und die Würde jedes Menschen, den Rechtsstaat sowie die Solidarität bewahren.

Als zentrales Vermächtnis der Heiligen Kyrill und Method würdigte der Kardinal deren Fähigkeit, das Evangelium in der Sprache der Menschen zu verkünden. Die Kirche müsse die Kulturen achten und den Glauben so vermitteln, dass er die Menschen erreiche. "Die Kultur wird vom Menschen geschaffen. Deshalb sind wir berufen, unsere Kultur zu gestalten - indem wir zeigen, wie wir an Gott glauben und als gute Christen in Frieden und Zusammenarbeit mit allen leben."

Der Kardinal erinnerte daran, dass der missionarische Auftrag alle Getauften betreffe. "Die Mission beginnt dort, wo wir sind. Sie beginnt damit, wie wir sprechen, wie wir vergeben, wie wir leben und wie wir lieben", sagte Nemet. Die Kirche dürfe sich nicht auf die Bewahrung von Traditionen beschränken, sondern müsse durch das Zeugnis ihres Lebens neue Jünger Christi gewinnen.

Velehrad: "Glaube verhindert, dass Angst uns lähmt"

In Tschechien stand das erste Juliwochenende im Zeichen der nationalen Kyrill-und-Method-Wallfahrt in Velehrad. Rund 20.000 Gläubige feierten mit dem neuen Prager Erzbischof und Primas von Böhmen, Stanislav Pribyl, und weiteren 17 Bischöfen. Velehrad gilt als bedeutender Erinnerungsort an das Wirken der Slawenapostel, die im 9. Jahrhundert das Christentum nach Großmähren brachten.

Die Festpredigt hielt der Brünner Bischof Pavel Konzbul. Ausgehend vom Vermächtnis der heiligen Cyrill und Method sowie des heiligen Franz von Assisi ermutigte er die Gläubigen, den Ängsten der Gegenwart mit Hoffnung zu begegnen. Konzbul erinnerte an zahlreiche aktuelle Unsicherheiten, darunter gesellschaftliche Polarisierung, aber auch Herausforderungen der digitalen Welt. Christen seien zwar nicht frei von Angst, hätten aber Grund zur Hoffnung, betonte der Bischof. "Der Glaube nimmt uns die Angst nicht, aber er verhindert, dass sie uns lähmt. Wir können sie in eine Antriebskraft verwandeln", rief er die Gläubigen auf, mutige und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.

Der Schwerpunkt der Velehrad-Wallfahrt war heuer dem Dienst von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften gewidmet. Die Feier solle ein Zeichen des Dankes für ihren oft selbstlosen Einsatz sein, sagte Erzbischof Pribyl in seiner Begrüßung. Zugleich verwies er auf das in Tschechien begangene Franziskus-Jahr und rief dazu auf, sich am Beispiel des Heiligen Franziskus "zu Besonnenheit und Liebe zur Schöpfung" inspirieren zu lassen.
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