Bischof berichtet von großer Solidarität in Venezuela nach Erdbeben
06.07.202612:24
Venezuela/Erdbeben/Hilfsorganisation/Kirche
Katholische Kirche und ihre Freiwilligen laut Hilfswerk ACN ein Rettungsanker für Überlebende
Wien/Caracas, 06.07.2026 (KAP) In Venezuela ist die katholische Kirche zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Betroffenen des verheerenden Doppel-Erdbebens vom 24. Juni geworden. Das teilte das internationale Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN) am Montag in Wien mit.
In der Diözese Petare, einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Gebiete im Ballungsraum der Hauptstadt Caracas, versorgen Hunderte Ehrenamtliche in den Pfarrgemeinden Verletzte und ihre Familien aus der besonders schwer betroffenen Küstenregion La Guaira. Das berichtete Bischof Juan Carlos Bravo Salazar dem Hilfswerk. "Rund 90 Prozent der Menschen in meiner Diözese leben in Armut. Trotzdem ist Petare zu einem Ausgangspunkt der Hilfe für die Überlebenden der Erdbebenkatastrophe geworden", so Bravo.
Weil in Petare vier der wichtigsten Krankenhäuser Venezuelas liegen, konzentriert sich die Hilfe der Kirche vor allem auf Verletzte und Obdachlose. Viele mussten ihr Zuhause verlassen und kommen nur mit ihrer Kleidung in den Krankenhäusern an, berichtete der Bischof. Die Diözese hat vier Sammelstellen eingerichtet. Dort verteilen mehr als 250 Freiwillige Medikamente, medizinisches Material, Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel.
"Selbst diejenigen, die nichts haben, geben alles"
Der Bischof zeigte sich bewegt von der Solidarität der Menschen in den Armenvierteln. "Selbst diejenigen, die nichts haben, geben alles", sagte er. "Die Großzügigkeit der Menschen ist überwältigend." Auch viele junge Menschen engagieren sich laut Bravo unermüdlich. Sie entladen Lastwagen mit Hilfsgütern, sortieren Kleidung, bereiten Lebensmittelpakete vor und transportieren Spenden.
Neben der materiellen Hilfe begleitet die Kirche die Betroffenen auch seelsorglich. Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Mitarbeiter stünden Familien bei, deren Angehörige unter den Trümmern begraben wurden und seien auch für Helfer und medizinisches Personal da. "Wir dürfen uns nicht nur auf psychologische Hilfe beschränken. Wir müssen den Menschen auch geistlichen Beistand geben", erklärte der Bischof.
Schon vergangene Woche hatte "Kirche in Not international" bekanntgegeben, dass in einem ersten Schritt 100.000 Euro bewilligt worden seien, um die Nothilfe der Kirche vor Ort zu unterstützen. Weitere Hilfen sind geplant. Dazu stehe man in ständigem Austausch mit Projektpartnern in Venezuela.
Am Mittwoch vergangener Woche hatten zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 innerhalb von nur einer Minute den Norden des südamerikanischen Landes erschüttert. Durch das wohl schwerste Erdbeben in Venezuela sind laut jüngsten Regierungsangaben vom Sonntag mindestens 3.3300 Menschen gestorben; mehr als 17.000 wurden verletzt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten noch Zehntausende Menschen vermisst sein. Besonders betroffen ist die Küstenregion La Guaira nördlich von Caracas.
(Spendenkonto: Kirche in Not, IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, Verwendungszweck: Venezuela)