Politische Entspannungs-Geste nach Intervention von Donald Trump - Von Andreas Landwehr (KNA)
Peking/Washington, 06.07.2026 (KAP/KNA) Die Freilassung des Gründers einer der populärsten Hauskirchen in China hat international Schlagzeilen ausgelöst. Pastor "Ezra" Jin Mingri, Anführer der Zionskirche, kam vor wenigen Tagen nach einer Intervention von US-Präsident Donald Trump bei Chinas Staatschef Xi Jinping auf freien Fuß. Er durfte ausreisen und wurde am Wochenende von seiner Familie in den USA in Empfang genommen.
"Wir sind überwältigt von Freude", sagte Tochter Grace Jin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nach seiner Ankunft in Los Angeles. Die Familie dankte Trump für seinen Einsatz. Acht Kirchenmitglieder seien aber weiter in Haft.
Die Zionskirche war eine der am schnellsten wachsenden unregistrierten protestantischen Glaubensgemeinschaften in China, bis die Behörden im Oktober 2025 gegen die Hauskirche vorgingen. Fast 30 Mitglieder wurden festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, illegale Informationsnetze im Internet genutzt zu haben. Es wird befürchtet, dass die Vorwürfe auf illegale Geschäfte und Betrug erweitert werden könnten. Wie die Familien berichteten, wurden auch die Anwälte unter Druck gesetzt.
"Geste des guten Willens"
Nach Informationen der US-Organisation China Aid wurde Pastor Jin als Ergebnis der Gespräche zwischen Trump und Xi im Mai in Peking als "Geste des guten Willens" vor dem 250. Geburtstag der USA freigelassen. "Während wir die Freiheit von Pastor Jin feiern, sind unsere Gedanken bei den zahllosen anderen Betroffenen", sagte Bob Fu, Gründer von China Aid. Die Organisation bietet chinesischen Christen, die in den Fokus der Behörden geraten sind, seit Jahren Rechtshilfe an.
Fu verweist auf andere Priester, Bischöfe, Christen aus Hauskirchen, uigurische Muslime, tibetische Buddhisten, Anhänger der Falun-Gong-Bewegung und weitere Gefangene, die zu Unrecht von der Kommunistischen Partei festgehalten würden.
Tatsächlich dürften all jene enttäuscht werden, die nun auf eine nachhaltige Lockerung der harten Religionspolitik Pekings hoffen. Menschenrechtsgruppen kritisieren vielmehr eine verschärfte Verfolgung von Gläubigen im Reich der Mitte, seit Präsident Xi vor zehn Jahren die "Sinisierung" der Religionsgemeinschaften als Ziel ausgab.
Freilassung aller Gefangenen gefordert
"Wir rufen die chinesischen Behörden auf, alle Personen freizulassen, die allein für die Ausübung ihres Glaubens festgenommen wurden", forderte Brian Tonic, Experte der US-Organisation Freedom House. Die brutale Unterdrückung müsse ein Ende haben.
Erst im vergangenen Monat war der Staat gegen eine andere große Hauskirche vorgegangen. Dutzende Personen wurden festgenommen und verhört. Zwei Kirchenführer der "Early Rain Covenant Church" sind noch in Gewahrsam. Bereits 2019 war der Kirchengründer Wang Yi wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" und "illegaler Geschäfte" zu neun Jahren Haft verurteilt worden.
"Seit einem Jahr haben die Behörden die Kontrolle über religiöse Aktivitäten durch rechtswidrige Überwachung, Razzien und ungerechtfertigte Strafverfolgung auf Grundlage von Bestimmungen gegen sogenannte Sekten sowie Sicherheitsvorschriften verschärft", beklagte jüngst Amnesty International. Seit dem Erlass neuer "Regeln für das Online-Verhalten von religiösem Personal" im September 2025 sei die staatliche Kontrolle weiter verschärft worden.
Katholische Gemeinden unter Druck
Online-Aktivitäten religiöser Gruppen würden beschränkt, so die Menschenrechtler. Auch werde Unterstützung für die Führung der Kommunistischen Partei eingefordert. Wie Human Rights in China berichtete, sehen sich auch katholische Gemeinden verstärkter ideologischer Kontrolle ausgesetzt. Unregistrierte katholische Gemeinden würden - auch unter Hinweis auf das geltende Abkommen Pekings mit dem Vatikan über Bischofsernennungen - unter Druck gesetzt, sich der offiziellen staatlichen Kirche anzuschließen.
Katholiken und Protestanten müssen sich in China in staatlichen "patriotischen" Vereinigungen organisieren. Die offizielle katholische Kirche erkennt den Papst aber nicht als absolute Autorität an, während die Untergrundkatholiken loyal zu ihm stehen. Seit 2018 gibt es ein Abkommen zwischen dem Vatikan und Peking über Bischofsernennungen, dessen genauer Inhalt allerdings geheim ist. Papst Franziskus hatte es 2024 um weitere vier Jahre verlängert. Der neue Papst Leo XIV. setzt bislang auf Kontinuität, obwohl Peking aus Sicht von Beobachtern mehrfach dagegen verstoßen hat.