Land NÖ weist Kritik an Beobachtungsstelle radikaler Islam zurück
08.07.202609:59
Österreich/Politik/Wissenschaft/Islam/Extremismus
Religionswissenschaftler und Theologen kritisierten zuvor Zusammensetzung von wissenschaftlichem Beirat "ohne Expertise im Bereich der Islamwissenschaft"
St. Pölten, 08.07.2026 (KAP) Das Land Niederösterreich hat die Kritik von Religionswissenschaftlern und Theologen daran zurückgewiesen, dass im Beirat der Beobachtungsstelle radikaler Islam keine Mitglieder mit Expertise im Bereich der Islamwissenschaft vertreten sind. Es gehe bei der Beobachtungsstelle nicht darum, den Islam zu erforschen, sondern radikale, demokratiefeindliche, freiheitsfeindliche und frauenfeindliche Strömungen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen, erklärte das Büro von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf Anfrage der Austria Presse Agentur (APA). "Dafür muss man nicht den Islam studiert haben. Dafür muss man aber wissen, was wir schützen wollen: unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Werte", hieß es weiter.
Für fachliche Diskussionen stehe die Beobachtungsstelle an der Fachhochschule Wiener Neustadt jeder und jedem offen. "Wer Radikalisierung erst dann ernst nimmt, wenn der Staatsschutz eingreifen muss, handelt zu spät", wurde betont. Auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer (FPÖ) wies die Kritik zurück.
Etliche bekannte Religionswissenschaftler und Theologen hatten am Dienstag in einem Offenen Brief Befremden über die personelle Zusammensetzung des Beirats der neuen Beobachtungsstelle geäußert. "Eine kritische Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen und extremistischen Strömungen innerhalb des Islam - wie auch in allen Religionen - ist wichtig. Aber sie muss sachlich, differenziert und mit wissenschaftlicher Expertise erfolgen", hielten die 18 Unterzeichner fest. Unter ihnen sind der Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker, die Vorstände der Religionswissenschaft-Institute an den Universitäten Wien und Graz, Lukas K. Pokorny und Franz Winter sowie der Leiter des Zentrums Theologie interkulturell und Studium der Religionen an der Uni Salzburg, Martin Rötting.