Forscher analysierten Daten von 180.000 Menschen aus 22 Ländern, darunter Gläubige aus Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus sowie Nicht-Religiöse - Positive Gottesbeziehung mit Glaube an einen einzigen, persönlichen Gott, mindert auch krankmachende Folgen von Einsamkeit
Wien/London/New York, 08.07.2026 (KAP) Menschen, die an einen persönlichen Gott glauben und sich von dieser höheren Macht geliebt fühlen, sind besser vor den gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit geschützt. Das berichtet das Wiener Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) unter Verweis auf eine Studie in der Online-Fachzeitschrift "Scientific Reports" des Nature-Verlags. US-Forscher analysierten dafür Daten von mehr als 180.000 Menschen aus 22 Ländern, darunter Gläubige aus Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus sowie Nicht-Religiöse.
Frühere Studien zeigten bereits, dass religiöse Menschen seltener unter Einsamkeit leiden als nichtreligiöse. Die neuen Ergebnisse verdeutlichten, dass der Grund dafür nicht allein im sozialen Netz der jeweiligen Religionsgemeinschaft liegt, heißt es im aktuellen Imabe-Newsletter (Mittwoch). Entscheidend sei vielmehr das Gottesbild des Einzelnen und ob er sich von dieser höheren Macht geliebt fühlt, wird auf die in "Scientific Reports" publizierten Ergebnisse der Forschungen eines Psychologenteams um Alexandra S. Wormley von Universität Michigan verwiesen. Grundlage der Studie sind Daten der Global Flourishing Study (GFS), einer internationalen Langzeitstudie der Harvard-Universität zum menschlichen Wohlbefinden.
Das Psychologenteam verglich die Auswirkungen von vier Weltreligionen und Nichtreligiosität auf Einsamkeit und ihre gesundheitlichen Folgen. Religiöse Menschen leben demnach seltener allein und zeigen eine höhere psychische und physische Widerstandskraft. Nichtreligiöse Menschen leiden häufiger und stärker an Einsamkeit und sozialer Isolation; lediglich bei Buddhisten liegen die Werte ähnlich hoch. Am wenigsten Einsamkeit erfahren Juden. Ein Teil dieses Unterschieds erklärt sich dadurch, dass nichtreligiöse Menschen deutlich häufiger allein wohnen - am seltensten tun dies Muslime und Juden, während Christen und Buddhisten im Mittelfeld liegen. Doch selbst wer allein wohnt, trägt als nichtreligiöser Mensch ein höheres Vereinsamungsrisiko als ein religiöser Mensch in derselben Situation.
Glaube an persönlichen, liebenden Gott schützt am stärksten
Das niedrigste Risiko zu vereinsamen haben jene, die sich von dem Gott, an den sie glauben, geliebt und umsorgt fühlen. Der bloße Glaube an die Existenz Gottes reicht den Forschern zufolge nicht aus. Entscheidend ist, ob der Gott als liebevoll, fürsorglich und emotional unterstützend erlebt wird. Der Glaube an eine unpersönliche spirituelle Macht oder an mehrere Götter schützt ebenfalls vor Einsamkeit, jedoch schwächer als der Glaube an einen einzigen, persönlichen Gott. Dessen Schutz erstreckt sich laut den Forschungsergebnissen auch auf die gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit wie Depressionen, Angststörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, geschwächte Immunabwehr und erhöhte Sterblichkeit.
"Letztendlich liefern wir Belege dafür, dass liebevolle Beziehungen zwischen Menschen und dem Gott, den sie verehren, Potenzial bieten, um gegen die weltweite Einsamkeitsepidemie vorzugehen", fassen die US-Psychologen zusammen. Erinnerungen an die Liebe Gottes, etwa durch Predigten oder Andachten, könnten demnach gezielt Menschen unterstützen, die sozial isoliert oder einsam sind.