Verhalten der Verantwortlichen der nun schismatischen Priesterbruderschaft für bekannten Kurienkardinal "die Spitze des Unkatholischen"
Rom/Opfenbach, 08.07.2026 (KAP) Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der vatikanischen Glaubenshörde, hat die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. ohne Erlaubnis des Papstes vollzogenen Bischofsweihen als schweren Angriff auf die Einheit der Kirche bezeichnet. In einem aktuellen Interview mit dem katholischen Fernsehsender K-TV sprach Müller laut "Vatican News" (Mittwoch) von einer "Wunde, die der Kirche geschlagen worden ist".
Müller wies die Deutung zurück, wonach es sich lediglich um einen innerkirchlichen Sonderkonflikt handle. "Niemand kann katholisch sein, der den Papst als Nachfolger Petri in seinem Amt ablehnt oder eingrenzt oder sich zum Lehramt über das Lehramt erheben will", so der deutsche Kardinal. Das Verhalten der Verantwortlichen der Piusbruderschaft nannte er in diesem Zusammenhang "die Spitze des Unkatholischen".
Die von den Piusbrüdern vorgebrachte theologische Rechtfertigung der Weihen lässt Müller nicht gelten. Die apostolische Tradition werde "von den Bischöfen in Einheit mit dem Papst dargestellt", betonte der Kardinal. Daher gehe die Berufung auf ein angebliches höheres Traditionsverständnis "ins Leere". Eine katholische Einheit gebe es "nicht am Papst vorbei". Müller wies auch das von der Bruderschaft vorgebrachte Argument eines kirchlichen Notstands zurück. Die Behauptung, außergewöhnliche Zeiten erlaubten außergewöhnliche Mittel, sei "eine selbstgestrickte Logik". Man könne nicht mit falschen Mitteln einen Missstand, den es in der Liturgie der Kirche auch gebe, beheben.
Für mit der Bruderschaft verbundene Priester und Gläubige formulierte der Kardinal laut Vatican News im Gespräch mit K-TV eine klare Konsequenz. Priester sollten sich "von dieser Gemeinschaft distanzieren", sagt Müller, und sich legitimen Gemeinschaften in voller Einheit mit der katholischen Kirche anschließen, die ebenfalls die ältere Liturgie feiern. Gläubige wiederum sollten sich "fernhalten" von einer Gemeinschaft, deren Leiter "in offenem Widerspruch zum Papst" stehen.