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Erzbischof Franz Lackner
Interview
Bild Copyright: © Sonntagsblatt/Gerd Neuhold

Erzbischof Lackner wird 70: "Ich möchte ein hörender Bischof bleiben"

09.07.2026 09:55
Österreich/Kirche/Glaube/Lackner/70
Salzburger Erzbischof im "Rupertusblatt"-Geburtstagsinterview über seinen Umgang mit dem Älterwerden und was ihm bleibend Hoffnung gibt
Salzburg, 09.07.2026 (KAP) Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner wird am 14. Juli 70. Im Geburtstagsinterview mit dem "Rupertusblatt" (aktuelle Ausgabe) gibt er Auskunft, wie er mit dem Älterwerden umgeht, was das auch mit seiner Gottesbeziehung macht und weshalb er auf jeden Fall auch künftig ein hörender Bischof bleiben will. "Gott ist da, er ist unter uns. Ich glaube, wir haben dafür ein bisschen die Aufmerksamkeit verloren", so Lackner wörtlich. Der hl. Franziskus erinnere daran, "Gott wieder ins Zentrum zu stellen", so der Erzbischof unter Verwies auf den Ordensgründer, dessen 800. Todestag heuer begangen wird. Lackner gehört selbst dem Franziskanerorden an.

Zur Frage, ob sich für ihn persönlich die Gottessuche oder auch der Umgang mit Zweifeln mit dem Alter verändert hätten, meint der Erzbischof: "Früher war vieles klarer, man hatte auf fast alles eine Antwort. Heute ist weniger Gewissheit da, dafür mehr Tiefe. Was sich durchhält, ist die Sehnsucht. Die Sehnsucht, für Gott und für die Menschen da zu sein." Der Glaube komme vom Hören. "Deshalb möchte ich ein hörender Bischof bleiben - still werden, aufmerksam und offen sein für die Menschen und den Heiligen Geist. Wir sind oft zu sehr mit uns selbst beschäftigt, wenn der Heilige Geist spricht."

Loslassen können

Das Schwinden der Kräfte versuche er durch Training und gesundes Essen hinauszuzögern. Wichtiger werde "das Frommsein, das Gebet. Das trägt im Alter." Aber er spüre das Alter schon sehr deutlich in seinem Alltag: "Meine Mitarbeitenden sind meist viel jünger. Ich spüre, dass die Zeit, in der Impulse von mir ausgehen, langsam zu Ende geht. Die jungen Menschen müssen mehr in den Vordergrund treten. Und ich merke, dass man im Alter dorthin zurückkehrt, wo man herkommt - zu einer gewissen Armut und zur Einfachheit."

Man müsse im Alter lernen, "Sicherheiten, Rollen und das eigene Wissen nicht festzuhalten, sondern Schritt für Schritt abzugeben". Das Loslassen führe zurück zu einer Haltung, die der heilige Franziskus geprägt habe: "Gott vertrauen, sich anvertrauen, und nicht alles selbst kontrollieren wollen. Das bleibt für mich ein lebenslanger Weg."

Zur Frage, was ihm Hoffnung für die Kirche gibt, antwortet der Erzbischof: "Hoffnung gibt mir vor allem, dass die Kirche geistgeführt ist. Jesus hat zugesagt, dass er mitten unter uns ist, wenn Menschen zusammenkommen und diese Zusage trägt." Hoffnung würden ihm zudem die Männer und Frauen geben, die sich engagieren und der Kirche wohlwollend gegenüberstehen. "Gemeinsam können wir die Kirche dort stärken, wo sie gebraucht wird", so Lackner: "Es steht der Kirche sehr gut an mit Herzensaufmerksamkeit bei den Menschen zu sein, die arm sind - materiell wie innerlich. Wir leben in einer Zeit, wo es an allen Ecken und Enden brennt, wo Frieden gefährdet ist. Kirche ist mit allen Menschen und mit allen Religionen koalitionsfähig, die guten Willens sind."

Geburtstagswünsche des Erzbischofs

Persönlich wünsche er sich zum Geburtstag "mehr Zeit für das Kontemplative, für das Lesen, für schöne Musik und wie schon erwähnt für das Hören: das Hören auf die Menschen und vor allem auf Gott."

Im Blick auf die Erzdiözese Salzburg betonte Lackner, dass diese "viele gute Kräfte" habe. Er spreche häufig mit Pfarrgemeinderätinnen und -räten, die selber ihren Glauben sehr pflegen, die ihm aber gleichzeitig sagen würden, wie schwierig es sei, das an die junge Generation weiterzugeben. So wünsche er sich, "dass es gelingt, dass der Glaube weitergetragen wird - zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes". Und weltweit wünsche er sich, "dass die Kirche in einer Zeit voller Herausforderungen die Menschen weiterhin erreicht".

Schon Ende Juni wurde im Salzburger Dom mit einem festlichen Dankgottesdienst das 35-jährige Priesterjubiläum Lackners gefeiert und dabei auch der Geburtstag vorgefeiert. In seiner Heimatgemeinde St. Anna/Aigen steht der Erzbischof am Samstag, 11. Juli, einem "Geburtstagsgottesdienst" vor. Dieser beginnt um 9.45 Uhr mit dem Einzug vom Hauptplatz in die Kirche. Auch der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl wird vor Ort mitfeiern.

Erzbischof Franz Lackner

Franz Lackner wurde am 14. Juli 1956 als Anton Lackner in Feldbach geboren und stammt aus dem südoststeirischen Dorf St. Anna am Aigen. Lackner wuchs in kleinbäuerlichen Verhältnissen auf und begann nach der Pflichtschule eine Lehre als Elektriker. Er trat 1979 in das Aufbaugymnasium Horn ein. 1984 folgte der Eintritt in den Franziskanerorden. Er nahm den Ordensnamen seines Ordensgründers (Franz von Assisi) an und legte 1989 als Franz Lackner die Ewige Profess ab. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Doktorat an der päpstlichen Universität Antonianium des Franziskanerordens in Rom unterrichtete der Steirer dort Metaphysik, bis er 1999 zum Provinzial der Franziskanerprovinz von Wien berufen wurde. Im selben Jahr erfolgte der Lehrauftrag in Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Heiligenkreuz.

Im Oktober 2002 wurde Franz Lackner zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und am 8. Dezember 2002 zum Bischof geweiht. Sein Wahlspruch lautet: "Illum oportet crescere - Er [Christus] muss wachsen" (Joh. 3, 30). Am 10. November 2013 wählte das Dom- und Metropolitankapitel zu Salzburg Franz Lackner zum Erzbischof von Salzburg. Papst Franziskus bestätigte die Wahl am 18. November 2013. Am 12. Jänner 2014 übergab der emeritierte Erzbischof Alois Kothgasser bei der Amtseinführung im Salzburger Dom den Hirtenstab an seinen Nachfolger. Seit 2020 ist Lackner Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz und wurde im Juni 2026 wiedergewählt.
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