Palliativmediziner kritisiert steigende Wünsche nach Suizidbeihilfe
09.07.202612:02
Deutschland/Medizin & Gesundheit/Sterbehilfe
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Palliativstiftung, Sitte: "Viele Menschen wissen gar nicht, dass es gute Angebote der medizinischen und psychologischen Sterbebegleitung gibt"
Bonn, 09.07.2026 (KAP/KNA) Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Palliativstiftung, Thomas Sitte, kritisiert den aktuellen Umgang der Gesellschaft mit Sterben und Tod. "Ich habe den Eindruck, dass die gesellschaftliche Nachfrage nach Förderung der Suizide gerade stark wächst. Die sogenannten Sterbehilfevereine verzeichnen einen Mitgliederboom und eine steigende Zahl an begleiteten Suiziden", sagte Sitte im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Währenddessen dümpeln Hospizdienste und Hospize vor sich hin."
Das Angebot an Sterbebegleitung und Palliativmedizin in der Bundesrepublik könne die Nachfrage derzeit "sehr gut bedienen", fügte der Hausarzt und Palliativmediziner hinzu. "Das liegt daran, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass es gute Angebote der medizinischen und psychologischen Sterbebegleitung gibt", sagte Sitte: "Viele Menschen wollen sich nicht mit ihrem Sterben befassen, leiden sehr und sehen dann im Suizid den schnellen Ausweg."
Medizinische Versorgung in Pflegeheimen kritisiert
Der deutsche Palliativmediziner kritisierte zudem die medizinische Versorgung in Alten- und Pflegeheimen. "Die Pflegekräfte haben beispielsweise keine Hausapotheke, aus der sie Aspirin oder ein Antibiotikum nachts verabreichen könnten, oder auch keinen Blasenkatheter. Das müsste dringend gesetzlich geändert werden, damit die Bewohner besser versorgt werden."