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Estland: Behörden setzen mit Moskau verbundener Kirche Ultimatum

10.07.2026 13:33
Estland/Kirche/Konflikte/Politik/Orthodoxie
"Estnische Christliche Orthodoxe Kirche" muss bis Jahresende alle rechtlichen Verbindungen mit Moskau lösen, sonst drohen Verfahren zur Zwangsauflösung.
Tallin, 10.07.2026 (KAP) Laut Berichten estnischer Medien hat das estnische Innenministerium der Estnischen Orthodoxen Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, sechs Monate Zeit gegeben, um die neuen gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, die es religiösen Organisationen verbieten, Verbindungen zu ausländischen religiösen Führern oder Institutionen zu unterhalten, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit des Landes gelten. Die umstrittenen Änderungen des Kirchengesetzes traten am 27. Juni in Kraft und verpflichten religiöse Organisationen, die neuen gesetzlichen Anforderungen bis zum 28. Dezember zu erfüllen. Bei Nichteinhaltung drohen Verfahren zur Zwangsauflösung.

Die "Estnische Christliche Orthodoxe Kirche" hat zwar inzwischen das Moskauer Patriarchat aus dem eigenen Namen entfernt, untersteht aber laut Statut weiter dem Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. Laut estnischem Innenministerium muss die Kirche u.a. einen neuen Metropoliten ernennen, da ihr derzeitiger Oberhaupt, Metropolit Eugeni, Anfang 2024 Estland verlassen musste, nachdem die Sicherheitsbehörden seine Aktivitäten als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft hatten. Der Metropolit lebt seit seiner Ausweisung in Russland und leitet die Kirche von dort aus.

Die "Estnische Christliche Orthodoxe Kirche" ist nun laut Gesetz auch verpflichtet, alle Verweise auf ihre Abhängigkeit vom Moskauer Patriarchat und Patriarch Kyrill von Moskau aus ihren Statuten zu streichen. Nach der derzeitigen Regelung ist etwa die Unterschrift von Patriarch Kyrill erforderlich, um wichtige kirchliche Entscheidungen zu genehmigen, darunter den Haushalt, die Jahresberichte und die Wahl der Leitungsgremien.

Wie das Portal "OrthodoxTimes" dieser Tage berichtete, gehen Beobachter davon aus, dass die Kirche zwar tatsächlich den Einfluss Moskaus auf ihre Statuten verringern will, es bleibe jedoch ungewiss, ob sie sich vollständig von Moskau lösen kann.

Ein Bischof der "Estnischen Christlichen Orthodoxen Kirche" sagte gegenüber Medien, dass die Sechs-Monats-Frist nicht angemessen sei. Derartig schwerwiegende Entscheidungen könnten innerhalb der Kirche nicht so schnell getroffen werden.

Umstrittenes Gesetz

Das nun in Kraft getretene Kirchengesetz war heftig umstritten. Das estnische Parlament hatte das Gesetz schon 2025 beschlossen, Staatspräsident Alar Karis hatte sich in Folge aber an das estnische Höchstgericht gewandt, da er das neue Gesetz für überschießend hielt. Die Höchstrichter urteilten nun aber am 8. Juni, dass das Gesetz verfassungskonform sei. Die vom Parlament 2025 beschlossene Regelung schränke die Vereinigungs- und Religionsfreiheit nicht unverhältnismäßig ein, so das Höchstgericht.

Der Estnischen Christlichen Orthodoxen Kirche gehören vor allem russischsprachige Einwohner Estlands an. In Estland gibt es auch noch eine zweite orthodoxe Kirche, die zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gehört.

Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich 16 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zum orthodoxen Christentum - nach Mitgliedschaft der beiden orthodoxen Kirchen wurde dabei nicht unterschieden.
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