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P. Andreas Batlogg
Kirche
Bild Copyright: © Oliver Bodmer

Kirchenreform: Jesuit für mehr Transparenz bei Bischofsernennungen

10.07.2026 12:08
Österreich/Kirche/Reformen/Bischofsernennungen/Batlogg
P. Batlogg in "Furche"-Beitrag: Vorschläge liegen auf dem Tisch, Papst Leo ist am Zug - "Furche"-Rückblick auf Groer-Ernennung zum Wiener Erzbischof vor 40 Jahren
Wien, 10.07.2026 (KAP) Mehr Transparenz bei Bischofsernennungen hat einmal mehr der Jesuit P. Andreas Batlogg eingemahnt. In einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche" schreibt Batlogg im Blick auf die jüngste Ernennung von Josef Grünwidl zum Erzbischof von Wien: "Das Ergebnis ist erfreulich, das Prozedere jedoch verbesserungswürdig." Bischofsernennungen blieben eine heikle Sache. Fehler seien nie auszuschließen. Heute würden zwar - unter dem Siegel der Verschwiegenheit - auch Laien, also haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeitende bzw. Gremien befragt, was mit deren Informationen passiert, bleibe aber im Dunkeln, kritisiert Batlogg. Sein Fazit: "Es braucht Transparenz und Rechenschaftspflicht."

Eine Reihe von Vorschlägen prominenter Theologen und von Reformbewegungen würden auf dem Tisch liegen. Auch der weltweite synodale Prozess habe sich mit diesem Thema beschäftigt. Es liege nun an Papst Leo XIV., damit Ernst zu machen.

Wie Batlogg betont, sei Leo vor seiner Wahl zwei Jahre Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe gewesen. Als gelernter Kirchenrechtler kenne der Papst die Verfahren und habe auch an den beiden Sessionen der Weltsynode teilgenommen. Es wäre gut, so Batlogg, "wenn der Papst und die Kurie die Bedürfnisse und die Wünsche vor Ort wirklich zur Kenntnis nähmen". Letztlich gehe es darum, Macht von oben nach unten abzugeben.

"Kardinal König war geschockt"

Anlass des Beitrags von Batlogg ist der 40. Jahrestag der Ernennung von Hans Hermann Groër zum Wiener Erzbischof. Der Ernennung bzw. den nachfolgenden Turbulenzen, die die Katholische Kirche durchmachte, widmet "Die Furche" einen inhaltlichen Schwerpunkt in ihrer aktuellen Ausgabe.

Groër wurde am 15. Juli 1986 von Papst Johannes Paul II. zum Wiener Erzbischof ernannt. Er folgte als Erzbischof auf Kardinal Franz König (1905-2004). König war von 1956 bis 1985 Erzbischof von Wien. Nach seinem angenommenen Rücktritt am 16. September 1985 fungierte Weihbischof Helmut Krätzl als Administrator. Er wurde von vielen als möglicher neuer Erzbischof gehandelt, es kam aber anders.

Im "Furche"-Interview blickte die langjährige Privatsekretärin und Büroleiterin von König und nunmehrige Generalsekretärin der Kardinal König Stiftung, Annemarie Fenzl, auf die Zeit damals zurück. Zur Frage, wie die Reaktion Königs auf die Ernennung Groërs war, sagte Fenzl: "Er war geschockt, erschrocken und tieftraurig und hat sich, wie das immer bei ihm so war, wenn ihn etwas sehr verwirrte oder bedrückte, vollkommen in sich zurückgezogen."

König habe diese Nachricht auch nicht aus Rom vom Papst bekommen, der ihm zuvor laut Fenzl noch ausdrücklich versichert hatte, er würde mit ihm vor einer endgültigen Entscheidung über seine Nachfolge noch sprechen. Stattdessen habe König einen Anruf von der "Presse"-Journalistin Pia Maria Plechl erhalten. Fenzl: "Ich erinnere mich, wie er sofort Weihbischof Helmut Krätzl kontaktierte. Dann saß er an seinem Schreibtisch und war wie erschlagen."

Ganz überraschend war die Ernennung letztlich aber doch auch nicht. Dass sich vor gut 40 Jahren im Vatikan das kirchliche Klima unter Papst Johannes Paul II. "allmählich, zunächst unmerklich, aber konsequent, geändert hatte, wurde zunehmend spürbar", so Fenzl: "Dass Rom mit der Amtsführung Kardinal Königs daher auch zunehmend Probleme bekam, die durch damals namentlich bekannte, aber auch anonyme Informanten aus Politik, Gesellschaft und Medien sowie auch aus kirchlichen Kreisen ins Leben gerufen und sorgsam gepflegt wurden, war auch bekannt", so Fenzl. Kardinal König aber habe derlei nicht kommentiert. Fenzl: "Er hatte mit den Menschen seiner Diözese genug zu tun. Jede Form von Intrige war ihm fern. Wir, in seinem Umfeld hatten das zum Teil kommen gesehen, waren aber nicht in der Lage, dagegen öffentlich aufzustehen."

Verhängnisvoller Fehler

Mit der Ernennung Groërs zum Wiener Erzbischof habe der Vatikan einen verhängnisvollen Fehler gemacht, resümiert auch P. Batlogg. Und er stellt selbst die Frage bzw. gibt auch gleich die Antwort: "Könnte 'so etwas' wieder passieren: 'Groër reloaded' sozusagen? Unwahrscheinlich, denke ich. Aber ausgeschlossen ist nichts."

Auch wenn Österreichs Diözesen in den letzten Jahren gut gefahren seien mit Ernennungen, mangele es bei aller erforderlichen Diskretion nach wie vor an Transparenz. "Geglückte Ernennungen können nicht darüber hinwegtäuschen", so Batlogg.
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