Verbaler Schlagabtausch zwischen Kirche und Regierung in Spanien
10.07.202613:17
Spanien/Regierung/Kirche/Korruption
Anlass sind kritische Worte des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Argüello zu jüngsten Korruptionsfällen
Madrid, 10.07.2026 (KAP/KNA) Zwischen der sozialistischen Regierung und der katholischen Bischofskonferenz in Spanien ist ein offener Streit ausgebrochen. Anlass sind kritische Worte des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Luis Argüello. Der äußerte sich am Donnerstagabend bei einem öffentlichen Auftritt zu den jüngsten Korruptionsfällen in den Reihen der Regierung. "Wenn ein Staat die Ethik vergisst, wird er zu einer Diebesbande", sagte der Erzbischof von Valladolid zu den anhaltenden Skandalen rund um Ministerpräsident Pedro Sanchez.
Mehrere Regierungsmitglieder reagierten empört und gingen zum verbalen Gegenangriff über. Nur wenige Stunden später antwortete Justizminister Felix Bolanos mit einer schriftlichen Erklärung. Er sei angesichts der drastischen Wortwahl des Erzbischofs überrascht, so der Minister. Diese Äußerungen seien "unfair" und "zutiefst kontraproduktiv".
Minister geht zum Gegenangriff über
"Was würden Sie denken, wenn ein Regierungsmitglied die gesamte Kirche als eine Bande von Sexualstraftätern bezeichnen würde?", konterte Bolanos. Er forderte Argüello auf, dafür zu sorgen, dass die gegenseitigen Beziehungen von "Mäßigung, Respekt und Gerechtigkeit" geprägt seien.
Regierungschef Sanchez steht derweil unter erheblichem innenpolitischen Druck. Einer seiner ehemaligen Minister wurde kürzlich wegen Korruption zu 24 Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer ehemaliger hoher Parteifunktionär der Sozialisten sitzt in Untersuchungshaft. Zudem laufen Prozesse gegen Sanchez' Ehefrau und gegen seinen Bruder - alle wegen ähnlicher Vergehen.