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Orthodoxe Heiligsprechung in der Ukraine mit Österreich-Bezug

10.07.2026 14:42
Österreich/Ukraine/Kirche/Konflikte/Orthodoxie/Heiligsprechung/Hackmann/Nemeth
1873 in Wien verstorbener Metropolit Eugen Hackmann von der Orthodoxen Kirche der Ukraine heilig gesprochen - Ostkirchenexperte Nemeth: Hackmann sollte als Repräsentant der nicht spannungsfreien, aber gemeinsamen Geschichte von Rumänen und Ukrainern in der Bukowina gesehen werden
Kiew/Wien, 10.07.2026 (KAP) Am vergangenen Sonntag wurde in der Czernowitzer Paraskewa-Kirche der 1873 in Wien verstorbene Metropolit Eugen Hackmann vom Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), Metropolit Epifanij (Dumenko), feierlich zum Heiligen proklamiert. Neben öffentlichen Repräsentanten waren auch Vertreter der konkurrierenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) bei diesem Akt anwesend, der deutliche nationale Akzente aufwies, wie der Wiener Ostkirchenexperte Prof. Thomas Nemeth am Freitag gegenüber "Kathpress" berichtete. Bischof Hackmann werde von der OKU insbesondere für seine Verdienste für die ukrainische Nation gewürdigt, während er in rumänischen Kreisen teilweise als Verräter an nationalen Anliegen dieser Bevölkerungsgruppe der Bukowina betrachtet wird, erläuterte Nemeth.

Geboren wurde Hackmann um 1794 im damals österreichischen Wasloutz (heute ukr. Vaslovivci). Er stammte aus einer Bauernfamilie und sprach Ukrainisch, Rumänisch und Deutsch. Hackmann studierte Theologie an der Universität Wien und war u.a. Rumänisch-Lehrer von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand I.

Von rumänischer Seite werde Hackmann bis heute übelgenommen, dass er sich erfolgreich den Plänen des Hermannstädter Bischofs Andrei Schaguna (1809-1873) widersetzte, das Bistum der Bukowina in eine rumänische Metropolie zu integrieren, so Nemeth. Hackmann habe vielmehr die Errichtung einer eigenen orthodoxen Metropolie für den österreichischen Teil der Habsburgermonarchie mit Sitz in Czernowitz forciert. Unterstützt wurde er dabei vom Wiener Ostkirchenrechtler Josef Zhishman (1820-1894).

Bischof Hackmann konnte 1873 zwar noch seine Ernennung zum Metropoliten erleben, starb aber noch vor seiner Inthronisierung. Die im selben Jahr neugeschaffene orthodoxe Metropolie der Bukowina und Dalmatiens setzte sich aus den räumlich weit voneinander entfernten Bistümern Czernowitz, Zara (Zadar) und Cattaro (Kotor) zusammen.

Prof. Nemeth: "Die Verdienste des 1835 zum Bischof geweihten Hackmann liegen in der Förderung der kirchlichen Infrastruktur, des Schulwesens und der theologischen Ausbildung. Er setzte sich für die Autonomie der Bukowina ein und war deren erster Landeshauptmann."

Von Hackmanns kulturpolitischem Engagement zeugten neben der Czernowitzer Kathedrale, die während seiner Amtszeit errichtet wurde, insbesondere die zum UNESCO­-Weltkulturerbe zählende Metropolitanresidenz, die heute als Hauptgebäude der Universität Czernowitz genutzt wird, aber auch die von ihm betriebene Gründung der Universität (1875), "die eine europaweit einzigartige orthodoxe theologische Fakultät umfasste", so Nemeth.

Wie der Wiener Ostkirchen-Experte weiter ausführte, werde Eugen Hackmann nicht nur in der OKU, die ihn als Ukrainer betrachtet, hoch geschätzt. Es sei gerade der frühere prorussisch orientierte Präsident Wiktor Janukowytsch gewesen, der 2006 vor der Czernowitzer Kathedrale der UOK eine riesige Statue des Bischofs enthüllte.

"Bischöfe der Donaumonarchie"

Im Rahmen der vom Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber herausgegebenen Reihe "Die Bischöfe der Donaumonarchie 1804 bis 1918" arbeitet Prof. Nemeth aktuell an einem eigenen Band zu den Ostkirchen in dem auch die rund um die Person von Bischof Hackmannn zu Tage getretenen nationalen Kontroversen wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Nemeth: "Gerade die Familie Hackmann zeigt, dass eine eindeutige Einordnung als Ukrainer oder als Rumäne nicht sinnvoll erscheint." Einige Familienmitglieder hätten sich deutlich auf Seite der rumänischen Nationalbewegung engagiert. Der Bischof selbst sei gegenüber gewissen rumänischen kulturpolitischen Maßnahmen durchaus aufgeschlossen gewesen, habe zugleich aber auch ukrainische Kräfte gestärkt, "wobei im Hintergrund lokale kirchenpolitische Anliegen und Eigeninteressen spürbar sind".

Gerade weil kirchliche Geschichtsschreibung nicht selten nationaler Abgrenzung dient, müsse man hervorheben, so Nemeth, "dass gerade Bischof Hackman eigentlich ein Repräsentant der nicht spannungsfreien, aber gemeinsamen Geschichte von Rumänen und Ukrainern in der Bukowina sein könnte". Die Rezeption dieser Kanonisierung bleibe auch angesichts der innerorthodoxen Gespaltenheit abzuwarten.
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