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Mystik Spiritualität Orden Benediktiner 95 interreligiös
Spiritualität
Bild Copyright: © KBW Salzburg / Christoph Hartinger

Steindl-Rast zum 100er: "Der Mensch stirbt an ausgereifter Liebe"

11.07.2026 15:56
(zuletzt bearbeitet am 11.07.2026 um 15:57 Uhr)
Österreich/Kirche/Glaube/Religion/Orden/Steindl-Rast
Benediktiner und spiritueller Lehrer bei Kolloquium im Stift Kremsmünster am Vortag seines Geburtstags
Kremsmünster, 11.07.2026 (KAP) "Geheimnis des Lebens" - Unter diesem Titel hat in Stift Kremsmünster ein Kolloquium über und mit Br. David Steindl-Rast stattgefunden, der am Sonntag seinen 100. Geburtstag feiert. Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung war am Samstag ein Gespräch des Benediktinermönchs und Buchautors mit dem Wiener Moraltheologen, Mediziner und Pharmazeuten Prof. Matthias Beck. Im Zentrum des Gesprächs vor rund 450 Tagungsgästen standen Grundfragen des Menschen, dem, so Steindl-Rast, "die Gottesbeziehung angeboren ist". Der bekannte spirituelle Lehrer ging aber auch auf das Proprium des christlichen Glaubens, seine persönliche Christus-Beziehung und seine Haltung zu Leben, Tod und Auferstehung ein.

Die Frage, was nach dem Sterben komme, sei "sehr problematisch, denn man stirbt, wenn die Zeit um ist. Und wenn die Zeit um ist, kann nachher nichts mehr kommen". Aber, so Steindl-Rast, "wir leben jetzt schon in Zeit und Ewigkeit", denn das Wichtigste, wie die Liebe, sei der Zeit nicht unterworfen. Er vertraue daher darauf, "dass liebevolle Beziehungen irgendwie bleiben in einer Existenzweise, die wir uns so wenig vorstellen können, wie sich eine Raupe ihre spätere Existenz als Schmetterling vorstellen könne". Abschließend sagte Steindl-Rast bekenntnishaft unter Verweis auf den Wiener Künstler-Priester Otto Mauer: "Der Mensch stirbt nicht am Tod. Der Mensch stirbt an ausgereifter Liebe. Und das wünschen wir uns alle."

Stehen auch heute vor dem "leeren Grab"

Ausführlich ging Steindl-Rast auf die Bedeutung der in den Evangelien überlieferten Botschaft vom "leeren Grab" und auf den Bericht über das dort aufgefundene Leichentuch Jesu ein. Es sei wissenschaftlich heute weitaus schwieriger zu sagen, dass das Leichentuch von Turin, "die bestuntersuchte Reliquie der Weltgeschichte", "irgendwie entstanden ist", als vielmehr zu sagen, es sei "ein Überrest des verschwundenen Leibes Jesu".

Das leere Grab und das Leichentuch seien das einzige gewesen, was Maria Magdalena und die Jünger vorgefunden hätten. Aus der Art und Weise, wie sie beides aber vorgefunden haben, seien sie zum Schluss gekommen, dass Jesu Leichnam nicht gestohlen wurde. Dazu sei die Gewissheit gekommen: "Er lebt". Das einzige Wort, das dafür zur Verfügung gestanden sei, sei der missverständliche Begriff "Auferstehung" gewesen. Steindl-Rast: Ähnlich wie die Jünger damals "stehen auch wir heute wieder vor dem leeren Grab" und könnten mit all dem inzwischen vorhandenen Wissen sagen: "Er lebt. Er ist nicht da, und doch ganz anders da."

Plädoyer vor mehr Lebensvertrauen

Einmal mehr plädierte Steindl-Rast für eine positive Haltung zum Leben als Kern der menschlichen Existenz. Der skeptische Mensch von heute brauche mehr "Lebensvertrauen". Es gelte, die Menschen daran zu erinnern, dass sie unbewusst ohnehin zu 99,9 Prozent dem Leben vertrauen. "Jede Sekunde sterben in deinem Leib zwei Millionen rote Blutkörperchen und müssen ersetzt werden. Versuch das einmal! Du vertraust dem Leben, das alles zu erledigen." Wenn das allermeiste unserer physischen Existenz von diesem Grundvertrauen getragen sei, so sollte auch unsere psychische Existenz, "das letzte Zehntel von einem Prozent", von Vertrauen in das Leben geprägt sein.

David Steindl-Rast wurde 1926 in Wien geboren. Nach Studien an der Akademie der Bildenden Künste und der Universität Wien promovierte er in Psychologie und Anthropologie. 1953 trat er in das Benediktinerkloster Mount Saviour im US-Bundesstaat New York ein. Er ist Mitbegründer des Center for Spiritual Studies und seit Jahrzehnten eine zentrale Stimme im interreligiösen Dialog. Heute lebt und wirkt er im Europakloster Gut Aich.

(Aufzeichnung vom Gespräch zwischen Steindl-Rast und Beck zu Nachsehen unter: https://www.youtube.com/watch?v=ku4ZCZvU2g0&;list=PLas52JA9VZCA&index=2)

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