Wegen Hitze: Ethiker Rosenberger fordert Umdenken bei Tiertransporten
12.07.202612:16
Österreich/Ethik/Tier/Lebensstil/Rosenberger
Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger: "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit: Je mehr wir den Tieren abverlangen, umso mehr müssen wir ihnen auch geben"
Linz, 12.07.2026 (KAP/KNA) Angesichts der anhaltenden Hitze fordert der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger ein grundsätzliches Umdenken beim Thema Tiertransporte. "Wenn wir das Töten von Tieren unter gewissen Bedingungen für moralisch vertretbar halten, und das ist immer noch die gängige Überzeugung, dann müssen wir umso mehr dafür sorgen, dass diese Tiere ein angemessen gutes Leben gehabt haben", sagte der Professor der Universität Linz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Dazu gehöre auch deren "letzte Reise", so Rosenberger: "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit: Je mehr wir den Tieren abverlangen, umso mehr müssen wir ihnen auch geben." Die Realität sehe aber häufig anders aus. "Leider sind die Tiertransporte oft jenseits allen Respekts und treten die Gesetze mit Füßen", kritisierte der Theologe. Eine Mischung aus seltenen Kontrollen und ökonomischem Druck verleite zur Achtlosigkeit. Überdies könne man auch das Töten von Tieren generell infrage stellen - "und zunehmend mehr Menschen tun das heute".
Experte fordert Diskussion über das große Ganze
Häufig werde nur über kleine Details der Tiernutzung diskutiert, aber nicht auf das große Ganze geschaut, so Rosenberger. "Eigentlich müsste die erste Frage sein: Wie wollen wir unsere Beziehung zu den Tieren gestalten? Welchen Stellenwert haben sie in unserem Leben, und welche Werthaltungen sollen unseren Umgang mit ihnen prägen?" Themen wie Zucht, Haltung, Transport, Schlachtung und Konsum müssten dann unter dieser Perspektive betrachtet werden.
Nur wenn sich die Perspektive ändere, könne sich für die Tiere etwas verbessern, so der Wissenschaftler. Die Verantwortung liege bei Politik, Landwirtschaft und jedem Einzelnen: Man müsse bereit sein, weniger Fleisch und Tierprodukte zu essen und mehr dafür zu bezahlen. Zudem müsse die Politik gesetzliche und ökonomische Rahmenbedingungen für eine verbesserte Tierhaltung schaffen. Dann könnten Landwirtschaftsbetriebe ihre Tiere besser halten, ohne dass sie ihre Existenzgrundlage gefährdeten.