Linzer Synoden-Beraterin beim "Netzwerk Frauen.Führen.Kirche": Rolle der Frau in Kirche nicht auf Weihefrage reduzieren - Plädoyer für eine vatikanische Frauensynode
Wien, 12.07.2026 (KAP) Für die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar ist klar: Frauen sollen nicht länger nur Thema von kirchlichen Beratungen sein, sondern selbst Verantwortung übernehmen. Das hat die Synoden-Expertin bei einer Veranstaltung des "Netzwerk Frauen.Führen.Kirche" am Freitag unterstrichen und gesagt: "Frauen sollten auch Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen, damit sie mitentscheiden können." Die Dekanin und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität Linz war eine der prägenden theologischen Expertinnen der Weltsynoden 2023 und 2024. An den beiden Weltsynoden haben insgesamt 85 Frauen teilgenommen, erstmals waren 54 davon stimmberechtigt. Vier Teilnehmerinnen kamen aus dem deutschen Sprachraum - darunter Csiszar als theologische Beraterin.
Aus ihren Erfahrungen im synodalen Prozess berichtete Csiszar von einer Kirche, die sich weltweit Schritt für Schritt verändert. Bei der Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche dürfe die Debatte nicht allein auf die Weihefrage reduziert werden. "Wir brauchen eine größere Vision", betonte die Theologin. Es gehe ab sofort schon um die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Mitverantwortung in Seelsorge, Leitung und Liturgie sowie um eine Kultur der Gleichberechtigung. "Fortschritte dürfen nicht allein an der Weihe gemessen werden."
Kardinälin eher als Priesterin
Csiszar lehrt auch in Rumänien. Auch dort in ihrer Lehrtätigkeit erlebe sie einen Wandel. "2011 habe ich meine Studierenden in Rumänien noch selber gefragt, wie sie zum Diakonat der Frau stehen. Zehn Jahre später kommt die Frage bereits von ihnen selbst." Daran werde deutlich, dass über die Rolle der Frau in der Kirche nicht nur im deutschsprachigen Raum ein Diskurs geführt wird, sondern weltweit auch in Kontexten, wo dies vor Papst Franziskus noch nicht der Fall war.
Ermutigende Zeichen sieht Csiszar bereits heute. Mit den ersten Präfektinnen an der Spitze vatikanischer Dikasterien habe sich vieles bewegt. "Vor eineinhalb Jahren haben wir noch gerätselt, welches Dikasterium wohl als erstes von einer Frau geleitet werden würde. Heute gibt es bereits drei Präfektinnen am Heiligen Stuhl." Mit Blick auf die Zukunft wagte sie eine vorsichtige Prognose: "Momentan sehe ich, dass wir vielleicht früher Kardinälinnen haben könnten als Priesterinnen oder Diakoninnen." Die Ernennung zum Kardinal erfolgt durch den Papst und bis in den 20. Jahrhundert hinein war die Ernennung nicht an die Priesterweihe gebunden.
Plädoyer für Frauensynode
Auch für den weiteren synodalen Prozess brachte Csiszar neue Impulse ein: "Was wäre zum Beispiel, wenn der Papst eine Frauensynode in Rom einberufen würde, eine Synode über die Rolle der Frauen in der Kirche. Dort könnten Frauen aus aller Welt erzählen und mitberaten, wie sie Kirche, Berufung und Taufwürde in den verschiedenen Kontexten erleben.
Ihre Beobachtung sei, dass Männer, Bischöfe und Priester in der Regel nicht aus bösem Willen handeln, wenn sie Frauen in vielen Kontexten übersehen. Sie hätten laut Csiszar "schlicht überhaupt keine Vorstellung davon, wie es Frauen in der Kirche geht. Wie es ist, als Frau die Kirche und Gesellschaft zu gestalten, mit der Hierarchie zusammenzuarbeiten und übergangen zu werden. Wie es ist, wenn Wortmeldungen von Frauen überhört werden, aber wenn derselbe Satz direkt anschließend von einem Mann gesagt und plötzlich gehört wird." Kirchliche Entscheidungsträger leben nämlich zölibatär, und das grenze auch schon ein, ob, wo und wie sie Frauen zuhören können.
Csiszar: "Ich würde Papst Leo XIV. empfehlen, den Raum zu öffnen und in den kommenden Jahren irgendwann für vier Wochen im Licht des Evangeliums die Frauen in den Fokus einer missionarischen Kirche zu stellen und ihnen einfach zuhören. Sonst bleiben - so befürchte ich - auch die im Oktober 2024 im Rahmen der Weltsynode vorgetragenen Schuldbekenntnisse von Kardinälen, die unter anderem das Versagen der Kirche gegenüber Frauen benennen, weitgehend folgenlos."
In ihrer Vision einer Synode über und mit Frauen müsste es nicht unbedingt um die Frage der Weihe gehen. Es ginge darum, den Raum zu öffnen, in dem die Leitung dieser Kirche den Frauen ernsthaft zuhören will. Die weltkirchliche Perspektive sei dabei immer entscheidend, denn die Erfahrungen und Herausforderungen von Frauen würden sich je nach Kultur und Kontinent unterscheiden, und gerade deshalb müsse man den Frauen einmal ernsthaft zuhören, so Csiszar.
"Bleibt dran"
Trotz vieler offener Fragen zeigte sich Csiszar hoffnungsvoll. Die Synode habe sie gelehrt, Veränderungen nicht an einzelnen Forderungen festzumachen, sondern am gemeinsamen Weg der Kirche. "Was vom Heiligen Geist kommt, kann nicht aufgehalten werden", sagte sie mit Verweis auf das Schlussdokument der Weltsynode, Absatz 60. Es brauche mutige Menschen, die Räume der Begegnungen öffnen, es braucht Verbündete und Netzwerke. "Wir sind Mutmacherinnen und Mutmacher", sagte sie.
Ihr abschließender Appell an die Mitglieder des Netzwerks Frauen.Führen.Kirche: "Bleibt dran. Was ihr macht, braucht die ganze Kirche - die ganze Welt."
Kirchliches Frauen-Netzwerk mit 150 Mitgliedern
Zu den Initiatorinnen des kirchlichen Frauen-Netzwerkes, dem rund 150 Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen angehören, zählen Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), und Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Beide haben im Interview mit der "Krone" am Sonntag die bereits bestehenden Veränderungen in der Kirche im Blick auf Frauen thematisiert und sich für weitergehende Schritte in Richtung Gleichberechtigung ausgesprochen.
Dass das Thema Gleichberechtigung in der Kirche inzwischen auf höchster Ebene angekommen sei, betonte Eder-Cakl. "Wir werden ernst genommen und unser Engagement zur Förderung von Frauen in Führungspositionen wird sogar von der weltkirchlichen Ebene hervorgehoben", sagte sie. So habe eine vatikanische Studiengruppe die österreichische Kirche sogar als Vorbild bezeichnet.
Weiterhin Reformbedarf ortete auch Habersack. Die Österreichische Bischofskonferenz habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2028 mindestens ein Drittel der Leitungsfunktionen mit Frauen zu besetzen. "Diese Aufgabe ist zwar noch nicht erledigt, zeigt aber, dass das Thema auf der Agenda steht", so Habersack.
Geschlechtergerechtigkeit und Glaubwürdigkeit
Für Eder-Cakl gehe es dabei um weit mehr als Personalpolitik. "Die Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen der Kirche sind eine wesentliche Frage der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche weltweit", erklärte sie. Frauen sollten die gleiche Mitverantwortung übernehmen können wie Männer - in der Seelsorge, in Leitungsfunktionen und auch bei den Sakramenten.
Die Initiatorinnen sprachen sich deshalb offen dafür aus, Frauen zum Diakonat, Priesteramt und Bischofsamt zuzulassen. "Ja, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Zulassung zum sakramentalen Weiheamt ist einer der entscheidenden Schlüssel zu einer glaubwürdigen Kirche in der Zukunft", sagte Eder-Cakl. Habersack ergänzte: "Es geht um Gleichwertigkeit und nicht um Privilegien."