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Neuer Stadtführer durch Salzburgs diverse Glaubenslandschaft
Kultur
Bild Copyright: © Verlag Anton Pustet

Neuer Stadtführer durch Salzburgs diverse Glaubenslandschaft

14.07.2026 10:43
Österreich/Religion/Literatur/Christentum/Buddhismus/Hinduismus/Orthodoxe/Naturreligion/Religiöse Bauwerke/Kultur
Handbuch lädt zu zweistündigen Spaziergang durch 2.500 Jahre Salzburger Religionsgeschichte ein - vom Christentum über Orthodoxie und Buddhismus bis zum Alpenschamanismus
Salzburg, 14.07.2026 (KAP) Einen religiös-spirituellen Rundgang durch Salzburg bietet das neu erschienene Buch "Religiöse Orte in Salzburg". Die nach Lage gelisteten 13 Stationen stellen 13 Religionen und spirituelle Gruppierungen in der Mozartstadt vor, die bei einem rund zweistündigen Spaziergang durch die Altstadt erkundet werden können. Auch wenn Kirchen und Klöster das Stadtbild dominieren, sei die Stadt nur auf den ersten Blick rein katholisch, schreiben die Herausgeber Alexandra Embacher und Martin Rötting, Professor für Religious Studies. Neben traditionellen Sakralbauten präsentiert das Handbuch überraschende, alternative Orte spiritueller Praxis - darunter einen buddhistischen Stupa auf dem Mönchsberg, eine Falun-Gong-Gruppe im Mirabellgarten oder Kraftorte des Alpenschamanismus.

Das kompakte Handbuch inklusive ausklappbarem Stadtplan führt durch rund 2.500 Jahre Salzburger Religionsgeschichte. Neben Kurzporträts der einzelnen Glaubensrichtungen zitiert das Werk statistische Schätzungen, um das heutige Glaubensleben abzubilden (seit 2001 darf die Religionszugehörigkeit in Österreich nicht mehr amtlich erhoben werden): Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch, drei Prozent evangelisch und gut sechs Prozent muslimisch. Neben zwei jüdischen Gemeinschaften mit Synagoge und mehreren christlich-orthodoxen Gemeinden beleuchtet das Buch auch nicht staatlich anerkannte Gruppen wie den Alpenschamanismus oder die Falun-Gong-Bewegung (Eigenbezeichnung: Falun Dafa).

Auf den Spuren der ältesten Synagoge Salzburgs

Die Tour beginnt bei der römisch-katholischen Benediktinerinnenabtei Stift Nonnberg, dem ältesten ununterbrochen bestehenden Frauenkloster Mitteleuropas. Weiter geht es zum Salzburger Dom, dem "römisch-katholischen Herz der Stadt". Nicht weit entfernt in der Judengasse 15 soll sich die vermutlich erste Synagoge befunden haben - heute steht an dieser Stelle ein Altstadthotel.

Nach einem kleinen Anstieg wartet der Mönchsberg, ein zentraler Ritual- und Meditationsort der Salzburger Buddhistinnen und Buddhisten. Dort befindet sich der im Jahr 2011 errichtete goldene Stupa. Über dessen symbolische Bedeutung als "Memento mori" sowie über die vier in der Stadt aktiven buddhistischen Gruppierungen klärt das Handbuch auf. Nächster Halt ist die St.-Markus-Kirche (im Volksmund Ursulinenkirche), die seit 1999 von der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche genutzt wird.

Evangelische, katholische und spirituelle Nachbarn

Nach einem Spaziergang an der Salzach gelangt man zum Bärengässchen, in dem sich die Homebase der Loretto-Gemeinschaft befindet. Die charismatisch geprägte, junge Bewegung innerhalb der katholischen Kirche ist seit 1994 in Salzburg aktiv und seit 2017 kirchenrechtlich als privater Gläubigenverein anerkannt. Über eine Brücke gelangt man auf die andere Salzachseite, wo der Weg zur evangelischen Christuskirche führt, deren markanter roter, fünfgeschossiger Ziegelsteinturm zu den Wahrzeichen Salzburgs zählt.

Unweit davon liegt der Mirabellgarten, der als einer der schönsten Barockanlagen Österreichs gilt. Hier bietet die Falun-Gong-Bewegung vormittags Mobilisationsübungen an, denen sich Passanten anschließen können. Ihre spirituelle Praxis entstammt der buddhistischen Qigong-Tradition und orientiert sich an den kosmischen Prinzipien Zhen (Wahrhaftigkeit), Shan (Güte/Barmherzigkeit) und Ren (Nachsicht), wie im Buch näher ausgeführt wird. Direkt im Schloss Mirabell ist die Altkatholische Kirche beheimatet.

Meditationsorte und Alpenschamanismus

Der nächste Stopp führt zum "The Heart of Joy Café" der hinduistisch inspirierten Gemeinschaft um Sri Chinmoy. Das Lokal bietet vegetarisch-vegane Speisen an und lädt ein paar Stockwerke höher zur Meditation ein. Im Stadtführer wird die Geschichte dieser Bewegung des Friedensvisionärs Chinmoy Kumar Ghose (1931-2007) beleuchtet, die Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen verbinden möchte.

In der Kirche St. Maria Loreto, der Klosterkirche der Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung, pflegt die ansässige Gemeinschaft eine marianisch geprägte, traditionelle Form des Katholizismus. Abseits der touristischen Hauptwege nahe der Linzer Gasse liegt die bosnische Moschee. Die Geschichte der bosnischen Muslime reicht bis zur Annexion Bosnien Herzegowinas durch Österreich-Ungarn im frühen 20. Jahrhundert zurück. Als letzte Station wirft das Buch einen Blick auf den Untersberg, der sinnbildlich für den Alpenschamanismus steht. "Der Mythos eines Sees unter dem Dom spielt in den Erzählungen ebenso eine Rolle wie die ikonischen Zwergerl im Mirabellgarten", heißt es im Stadtführer.

Entstehung des Buchs

Entstanden ist das Buch aus dem Seminar "Interreligiöse Orte in Salzburg" im Wintersemester 2024/25: Die Autorinnen und Autoren besuchten alle Orte selbst, führten Gespräche mit Expertinnen und Experten und Erzählenswertes im Stadtführer zusammengetragen, "der ohne Bewertung auskommt und Salzburgs spirituelle Landschaft in ihrer Vielfalt sichtbar macht", heißt es auf der Webseite der Universität Salzburg. Das Buch ist im Juni im Verlag Anton Pustet Salzburg erschienen.

(Info: https://pustet.at/buecher/kultur-geschichte/religion/religioese-orte-in-salzburg/)
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