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Pädagogische Werktagung in Salzburg: Wertebildung braucht Beziehung

16.07.2026 16:48
Österreich/Kirche/Wissenschaft/Kind/Jugendliche/Vorschule/Kindergarten/Schule/Soziales
Referierende betonen Bedeutung von Orientierungshilfen, Vorbildern und Vertrauen für die Wertebildung junger Menschen
Salzburg, 16.07.2026 (KAP) Wie entstehen Werte, welche Orientierung geben sie jungen Menschen und wie können sie glaubwürdig vermittelt werden? Mit diesen Fragen hat sich die 74. Internationale Pädagogische Werktagung am Donnerstag in Salzburg beschäftigt. Bildungssoziologin Gudrun Quenzel, Elementarpädagogin Simone Breit und Sozialpädagoge Klaus Wolf beleuchteten das Tagungsthema "WERT.schätzen" aus gesellschaftlicher, pädagogischer und entwicklungspsychologischer Perspektive. Ein gemeinsamer Tenor der Vorträge: Werte lassen sich weder verordnen noch bloß lehren, sondern entstehen durch Beziehungen, Erfahrungen und glaubwürdig gelebten Vorbildern.

Quenzel präsentierte aktuelle Ergebnisse der Shell-Jugendstudie 2024 sowie der österreichischen Jugendstudie "Lebenswelten 2025". Demnach würden Sicherheit, materieller Wohlstand und Ordnung für viele junge Menschen wieder an Bedeutung gewinnen, während idealistische Werte an Gewicht verlören. Ursache seien unter anderem gesellschaftliche Krisen, technologische Umbrüche und zunehmende Individualisierung.

Gleichzeitig beobachtete die Bildungssoziologin keine Spaltung der Wertewelten. Vielmehr würden viele Jugendliche traditionelle Wertvorstellungen mit neuen Idealen wie Kreativität, Selbstverwirklichung und Eigenverantwortung verbinden. Werte lösten einander nicht einfach ab, sondern verschöben sich in jene Lebensbereiche, in denen sie Orientierung geben. Vertrauen und Sicherheit würden dabei zunehmend im familiären und persönlichen Umfeld gesucht, weniger in großen gesellschaftlichen Institutionen. Besonders die Gruppe der sogenannten "Erfolgsorientierten" kombiniere materielle Ziele mit gesellschaftlichem Engagement.

Wertebildung beginnt in der Kindheit

Die frühe Kindheit im Prozess der Wertebildung rückte die Leiterin des Departments Elementarpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich, Simone Breit, in den Mittelpunkt. Entscheidend sei nicht der reine Wissenstransfer über Werte, sondern die Erfahrung, die Kinder in ihren ersten Jahren machen. Im Elementarbereich lernten Kinder Gerechtigkeit, Verantwortung und Mitbestimmung im Alltag kennen und entwickelten dabei ihre moralische Urteilsfähigkeit.

Menschenrechts- und Demokratiepädagogik seien daher keine zusätzlichen Unterrichtsinhalte, sondern Ausdruck einer pädagogischen Grundhaltung. Entscheidend seien Erfahrungsräume, in denen Kinder Vertrauen, Anerkennung, Mitbestimmung und Verantwortung erleben könnten. "Werte entstehen nicht durch Belehrung, sondern in Beziehung und Erfahrung", betonte Breit.

Wertevermittlung braucht Vertrauen

Der Erziehungswissenschaftler Klaus Wolf widmete sich der Frage, wie Werte vermittelt werden können, wenn Erziehung immer auch mit Macht verbunden ist. Wertevermittlung funktioniere nicht als bloße Transferleistung. Wer Werte weitergeben wolle, müsse glaubwürdig leben, was er kommuniziert. Kinder orientierten sich weniger an abstrakten Prinzipien als an konkreten Beziehungen zu Menschen ihres Umfelds.

Jede Beziehung sei von Macht geprägt - mehr oder weniger sichtbar, kulturell beeinflusst und strukturell geformt. Daher sei ein reflektierter Umgang mit Macht und Autorität Voraussetzung dafür, dass Vertrauen entstehen könne. Systeme von Belohnung und Bestrafung könnten die moralische Entwicklung sogar erschweren, warnte Wolf. Wertevermittlung gelinge nur, wenn Erwachsene Verantwortung übernehmen, ohne Beziehungen zu dominieren oder Macht auszuspielen. Pädagogische Räume müssten jungen Menschen ermöglichen, eigene Werthaltungen in vertrauensvollen Beziehungen zu entwickeln.

Die Internationale Pädagogische Werktagung zählt mit rund 400 Teilnehmenden zu den bedeutendsten pädagogischen Fachtagungen im deutschsprachigen Raum. Sie richtet sich an Fachkräfte aus Bildung und Erziehung sowie an alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Veranstalter sind das Katholische Bildungswerk Salzburg gemeinsam mit Partnern aus Kirche, Wissenschaft und Bildung.
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