Kardinal verweist in "Heute"-Kolumne zum Internationalen Tag der Gerechtigkeit auf globale Ungleichheit und Grenzen menschlicher Rechtsprechung
Wien, 17.07.2026 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat anlässlich des Internationalen Tags der Gerechtigkeit (17. Juli) auf die weltweit ungleichen Lebenschancen hingewiesen und zu einem verstärkten Einsatz für mehr Gerechtigkeit aufgerufen. Zwar verfüge jeder Mensch über ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, vollständige Gerechtigkeit lasse sich auf Erden jedoch nicht verwirklichen, betonte der Wiener Alterzbischof in einem am Freitag veröffentlichten Kommentar in der Tageszeitung "Heute". "Das Schicksal der Menschen ist nicht gerecht verteilt", so Schönborn.
Besonders deutlich zeige sich Ungerechtigkeit dort, wo Menschen unterschiedliche Chancen vorfänden. Bereits der Geburtsort entscheide vielfach über den weiteren Lebensweg, so Schönborn. Und weiter: "Im Lotto des Geburtsortes haben wir in Europa das bessere Los gezogen. Doch sind auch bei uns die Lebenschancen ungleich verteilt."
Aus christlicher Sicht sei das Streben nach Gerechtigkeit ein grundlegender Auftrag: "Die Bibel mahnt auf jeder Seite, dass wir uns alle um Gerechtigkeit bemühen." Schönborn verband dies mit der Hoffnung, dass letztlich kein Unrecht dauerhaft bestehen bleibe.
Das Thema Gerechtigkeit sei aber bereits innerhalb von Familien - etwa Geschwisterkindern - "ein riesiges Thema". Und auch als Erwachsene würden Menschen Gerechtigkeit im Sinne von Rechtsschutz suchen, "wenn sie den Eindruck haben, betrogen worden zu sein". Das Gericht sollten dann "die Dinge wieder 'richten' und der Gerechtigkeit zu ihrem Recht verhelfen". Und weiter: "Selbst im Fußball ist der Schiedsrichter eine entscheidende Person. Schmerzlich ist die Erfahrung, dass es auf Erden keine vollkommene Gerechtigkeit gibt."