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Sport
Bild Copyright: © kathbild.at / Rupprecht

Kirchensportler: Fußball und Glaube verbindet mehr, als man vermutet

17.07.2026 12:24
Österreich/Kirche/Religion/Sport/Fußball
Spitzen der Diözesansportgemeinschaft Steiermark, Alfred Jokesch und Bernd Kindermann, im "Sonntagsblatt" über heilige Regeln, Zeremonien und Räume
Graz/Klagenfurt, 17.07.2026 (KAP) Fußball und Glaube bzw. Kirche verbindet weit mehr, als man gemeinhin vermutet. Davon zeigen sich zumindest der Geschäftsführer der Diözesansportgemeinschaft Steiermark, Bernd Kindermann, und der Geistliche Assistent der Gemeinschaft, Alfred Jokesch, überzeugt. In der aktuellen Ausgabe des steirischen "Sonntagsblatt" - das Interview erschien bereits zuvor in der "Tiroler Tageszeitung" - haben die beiden einige Gemeinsamkeiten von Fußball und Religion herausgearbeitet, die sie an drei Aspekten festmachen: an heiligen Regeln, heiligen Zeremonien und heiligen Räumen.

Das Fußballspiel lebe davon, so Jokesch, "dass es Regeln gibt, die von allen akzeptiert werden, und die Hüter des Regelwerks, auch wenn sie nicht unfehlbar sind, tabu bleiben". Wer sich daran nicht hält, zerstöre das Spiel. Es gebe auch ungeschriebene Gesetze, die ebenso wichtig und Kennzeichen eines wahren Sportsgeists sind. Etwa, "dass der Gegner kein Feind ist und die Rivalität mit Respekt ausgetragen wird". Das Verbindende, die Liebe zum gleichen Sport, stehe über allem.

Er sehe im Blick auf die Regeln viele Parallelen zum Glauben, so Kindermann: "Wie im Fußball geben auch die Glaubensregeln Orientierung, weisen eine Richtung und schaffen Gemeinschaft." Es zeige sich im Glauben wie im Sport, "dass Regeln nicht dazu da sind, einzuengen, sondern ein gemeinsames Miteinander überhaupt erst ermöglichen". Sie bildeten einen Rahmen, in dem sich jeder bewegen kann, ohne andere zu verletzen oder auszuschließen.

Heilige Zeremonien in Stadien und Kirchen

Jedes Fußballspiel habe einen solchen festen Rahmen. Im Stadion gebe es zudem ein Zeremoniell, betonte Jokesch. Bei einem Länderspiel würden die Nationalhymnen abgespielt und die Flaggen präsentiert. Die Fangruppen stimmten ihre Gesänge an. Oft gebe es auch spezielle Choreografien. Eine kirchliche Feier folge der gleichen Logik, so Jokesch: "Als etwas Heiliges, als mystische Erfahrung erlebe ich diese Feier, wenn sie mich mit anderen Menschen verbindet." Zudem: "Im Sport wie im Glauben kommen Menschen unterschiedlichster sozialer Schichten oder ideologischer Gruppen auf gleicher Ebene zusammen." Dieses Erlebnis hebe heraus aus der Banalität, es verdichte und vertiefe das Leben.

Ähnlich Kindermann: "Das Zeremoniell im Stadion entfaltet eine besondere Energie: Es zieht nicht nur die organisierten Fangruppen in seinen Bann, sondern lässt auch all jene, die sich außerhalb dieser Strukturen bewegen, Teil einer großen Gemeinschaft werden." In solchen Momenten werde das Stadion zu einem Ort, "an dem sich alle als Einheit erleben, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit". Dieses Gefühl von Verbundenheit und Geborgenheit, selbst wenn es nur kurze Zeit anhält, wünsche er sich auch für seinen Glauben, so Kindermann: "Natürlich kann ich meinen Glauben individuell leben. Aber er gewinnt für mich an Kraft, Intensität und Tiefe, wenn ich ihn gemeinsam mit anderen erlebe."

Heilige Räume schaffen Begegnung mit anderer Wirklichkeit

Schließlich vertieften die beiden kirchlichen Sport-Experten im Blick auf Fußballstadien und Kirchen auch deren Bezeichnung als "heilige Räume". Jokesch: "Das Betreten eines heiligen Raumes hebt mich heraus aus dem Gewöhnlichen und Alltäglichen. Es öffnet mich für die Begegnung mit einer anderen Wirklichkeit. Es verändert die Wahrnehmung meiner selbst und der Welt, oft auch verbunden mit der Erfahrung von Gemeinschaft, von einem größeren Eins-Sein." Das könne an einer Sportstätte genauso passieren wie in einem religiösen Raum.

Kindermann fügte hinzu: Wenn es im Sport wie im kirchlichen Bereich "heilige Räume" gibt, stelle sich die Frage, "warum wir diese Welten nicht stärker verbinden". Viele große Fußballvereine hätten in ihren Stadien Kapellen oder Räume der Stille eingerichtet - "Orte des Innehaltens mitten in der Leidenschaft des Spiels". Kindermann plädierte dafür, dass die Kirche diesen Schritt auch umgekehrt machen sollte: "Warum gibt es keine Sportkirchen, Räume, in denen Bewegung, Spiritualität und Gemeinschaft selbstverständlich zusammengehören?"

Messi: "Ich bin sehr gläubig, das reicht"

Der Kärntner "Sonntag" thematisiert in seiner aktuellen Ausgabe die persönlichen Glaubensbekundungen der Fußballstars. Im Finale der Fußball-WM treffen am Sonntag mit dem Argentinier Lionel Messi (39) und dem Spanier Lamine Yamal (19) zwei Superstars aufeinander. Messi wird im "Sonntag" mit den Worten zitiert: "Ich bin eigentlich ein ganz normaler, ruhiger, familiärer Typ. Ich habe keinen Talisman und kein Ritual. Das brauche ich alles nicht. Ich bin sehr gläubig, das reicht." - So soll er sich bereits 2010 gegenüber Medien geäußert haben. Und 2023 hielt er explizit fest: "Dank Gott hatte ich eine außergewöhnliche Karriere und habe alles gewonnen, was ich mir erträumt habe."

Messi trägt Gott aber nicht nur im Herzen und auf der Zunge, sondern auch auf der Haut. Seinen Glauben bringt der gläubige Katholik nämlich auch durch ein großes Jesus-Tattoo auf seinem rechten Oberarm zum Ausdruck.

Auch Lamine Yamal soll ein sehr gläubiger Mensch sein. Allerdings ist er nicht Christ, sondern bekennender Muslim.
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