Diözese plant Einsparungen von 17 Millionen Euro bis 2028 - Dominikanerhaus-Leiterin Gamsjäger sieht Verlust für Bildungslandschaft - Kaltseis, Bereichsleiter für Bildung und Kultur der Diözese Linz: ""Es ist kein Bildungshaus kostendeckend zu führen"
Linz, 18.07.2026 (KAP) Die Diözese Linz schließ das Dominikanerhaus in Steyr (OÖ) mit Ende 2026. Während die Leiterin des Bildungshauses, Sabine Gamsjäger, die Bedeutung kirchlicher Bildungshäuser hervorhebt, verweist die Diözese auf den laufenden Sparkurs und notwendige strukturelle Reformen. Das geht aus Interviews hervor, die die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN, Samstag) veröffentlicht haben. "Wir müssen uns der wirtschaftlichen Realität stellen, vor der wir stehen", so Andreas Kaltseis, Bereichsleiter für Bildung und Kultur der Diözese Linz, gegenüber den OÖN. Das Dominikanerhaus verursache jährlich rund 200.000 Euro an Betriebskosten, hinzu kämen hohe Ausgaben für die Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes. Zudem verlagere sich Bildungsarbeit vermehrt in soziale Räume und digitale Formate.
Die Schließung des Bildungshauses ist Teil des diözesanen Reformprojekts "Zukunft sichern", das Einsparungen von insgesamt 17 Millionen Euro bis 2028 vorsieht und nach Beratungen im Konsistorium 2024 von Bischof Manfred Scheuer in Auftrag gegeben wurde. Geplant sind u. a. organisatorische Bündelungen, Umstrukturierungen, Personalabbau sowie die Zusammenlegung einzelner Kirchenbeitrags-Beratungsstellen sowie eine Reduzierung der Bildungshäuser. Im Bildungsbereich wird die Zahl der diözesanen Häuser von fünf auf drei reduziert. Neben dem Dominikanerhaus sind auch der Greisinghof in Tragwein und das Maximilianhaus in Attnang-Puchheim von den Maßnahmen betroffen.
"Es ist kein Bildungshaus kostendeckend zu führen, aber wir werden sie von fünf auf drei reduzieren. Zudem verlagert sich die Bildungsarbeit zunehmend von face-to-face in soziale Räume und ins Internet", so Kaltseis zu den Hintergründen der Einsparungsmaßnahmen. Das Dominikanerhaus gehört der Stadtpfarre Steyr, die laut Kalteis mit Unterstützung der Diözese bereits an Weiternutzungskonzepten arbeitet. "Sie unterstützt die Stadtpfarre, um die Baulasten sinnvoll zu verwerten. Es gibt auch Interesse der Stadt, Räume zu nutzen", sagte der Bereichsleiter für Bildung und Kultur der Diözese Linz.
Bildungshäuser als Chance
"Für mich sind die Bildungshäuser eine Chance für die Kirche, am Rand der eigenen Klientel weit in die Gesellschaft hinein sichtbar, spürbar, erlebbar zu sein", meinte dazu Gamsjäger, die das Dominikanerhaus seit 2010 leitet. Das Dominikanerhaus habe sich in den vergangenen Jahrzehnten als offener Ort des Dialogs etabliert, an dem Menschen unterschiedlicher Überzeugungen miteinander ins Gespräch gekommen seien. Sie verstehe zwar die finanziellen Zwänge, glaube aber, dass andere Einsparungsmöglichkeiten bestanden hätten.
Das Dominikanerhaus feierte Anfang Juli sein Abschlussfest, der reguläre Bildungsbetrieb endete mit Beginn der Sommerpause. Einzelne Angebote wie die "Dankbar-Leben"-Runde oder "Stricken gegen soziale Kälte" sollen an anderen Orten fortgeführt werden. Ob weitere Formate von Pfarren übernommen werden, sei derzeit noch offen, sagte Gamsjäger. Die angekündigte Schließung hatte bereits im Vorjahr Proteste und Petitionen in der Region ausgelöst.