Appell an Regierung: Mehr Schutz für Zivilisten und Zugang für humanitäre Hilfe
Jakarta, 18.07.2026 (KAP) Die christlichen Kirchen Indonesiens haben die Regierung zu einem Kurswechsel in der Krisenregion Papua aufgerufen. In einem gemeinsamen Appell forderten sie ein Ende der zunehmenden Militarisierung, besseren Schutz für die Zivilbevölkerung sowie ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe, wie das Portal Vatikan News (Samstag) berichtete. Zudem müsse ein inklusiver Dialog mit den indigenen Papua aufgenommen werden, erklärten Vertreter mehrerer Kirchen am Donnerstag bei einer Medienkonferenz in Jakarta. Getragen wird der Aufruf vom indonesischen christlichen Gemeindeforum (FUKRI), dem unter anderem die Indonesische Bischofskonferenz, die Protestantische Kirchengemeinschaft Indonesiens sowie evangelische, pfingstkirchliche, baptistische, adventistische und orthodoxe Kirchen angehören.
Nach Angaben von FUKRI sind in Papua mehr als 100.000 Menschen durch den seit Jahren andauernden Konflikt vertrieben worden. Viele hätten nur eingeschränkten Zugang zu Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung und seelsorglicher Betreuung. Zugleich habe der Staat seine Militärpräsenz durch zusätzliche Sicherheitskräfte, neue Verteidigungsanlagen und den verstärkten Einsatz des Militärs bei staatlichen Infrastrukturprojekten ausgeweitet.
Die Kirchen warnten, dass ein überwiegend sicherheitspolitischer Ansatz Angst, Misstrauen und das Leid der Zivilbevölkerung verlängere. Wiederholte Forderungen von Kirchen, indigenen Vertretern und zivilgesellschaftlichen Gruppen nach einem Dialog seien bislang unbeachtet geblieben. "Dialog ist kein Zeichen staatlicher Schwäche, sondern demokratischer Reife", heißt es in dem Appell.
Zugleich forderte das Forum, kirchliche Hilfs- und Seelsorgearbeit müsse ohne Einschüchterung oder den Verdacht separatistischer Unterstützung möglich sein. Der Vorsitzende der Protestantischen Kirchengemeinschaft Indonesiens, Jacklevyn Fritz Manuputty, betonte, die Stimme der Kirchen sei ausschließlich humanitär motiviert.
Wirtschaftliche Interessen
Laut Vatikan News habe etwa der Anthropologe Cypri Jehan Paju Dale die Kritik an den Militäroperationen begrüßt, erinnerte an das Kernproblem, mit dem sich die Kirchen auseinandersetzen müssten: "Wir alle wissen, dass die Militäroperationen Indonesiens in Papua in Gebieten durchgeführt werden, die als Bergbaukonzessionen im Hochland von Papua ausgewiesen sind, sowie in Plantagenkonzessionsgebieten, wie beispielsweise in Süd-Papua und Südwest-Papua".
Nach jüngsten Angaben des indonesischen Menschenrechtsministeriums sind rund 122.000 Menschen innerhalb Papuas vertrieben. Die nationale Menschenrechtskommission registrierte im ersten Halbjahr 42 bewaffnete Zwischenfälle mit insgesamt 59 Todesopfern, überwiegend Zivilisten.