Jerusalem: Pilger-Hospiz braucht 15 Millionen Euro für Sanierung
19.07.202609:34
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Neuer Pilgerhospiz-Rektor in "Kurier"-Interview über wirtschaftliche Folgen des Gazakriegs und Pilgerreisen ins Heilige Land
Wien, 19.07.2026 (KAP) Das Österreichische Pilger-Hospiz in Jerusalem steht nach den wirtschaftlichen Folgen des Gazakriegs vor großen finanziellen Herausforderungen: Für die Generalsanierung des historischen Altbaus seien rund 15 Millionen Euro erforderlich, sagte der neue Rektor Franz Xaver Brandmayr im Interview mit dem "Kurier" (Sonntag). Zugleich bezifferte er die bisherigen Verluste infolge des Krieges auf rund zwei Millionen Euro. Am 1. Juli hat der bisherige Dompropst von Wiener Neustadt sein neues Amt in Jerusalem angetreten.
"Der Gazakrieg hat uns in zwei Jahren zwei Millionen Euro gekostet", rechnete Brandmayr vor. Das Hospiz habe während des Krieges als einziges Pilgerhaus in Jerusalem durchgehend geöffnet gehalten. Man habe die Mitarbeiter bewusst weiterbeschäftigt, obwohl Pilger weitgehend ausgeblieben seien. Dennoch funktioniere der Cafébetrieb weiter. Das traditionsreiche Haus in der Jerusalemer Altstadt werde von Juden, Arabern und Palästinensern besucht. "Sie reden zwar nicht miteinander, sitzen aber friedlich nebeneinander", so der neue Hospiz-Rektor.
Für die notwendige Sanierung des historischen Gebäudes müsse nun ein Finanzierungskonzept entwickelt werden. "Noch rätseln wir, woher das Geld kommen kann." Langfristig könne das Hospiz wirtschaftlich gut bestehen, wenn es wieder voll ausgelastet ist, zeigte sich Brandmayr überzeugt. Er war zuvor u. a. von 2008 bis 2020 als Rektor des päpstlichen Institutes Santa Maria dell' Anima in Rom tätig war.
13 Jahre lang Anima-Leitung in Rom
Der bisherige Dompropst von Wiener Neustadt hat mit 1. Juli die Leitung des Österreichischen Pilger-Hospizes übernommen. Vor seinem Amtsantritt habe er das Heilige Land noch nie besucht, so der Kirchenrechtler. Die oft geschilderten Spannungen zwischen den christlichen Konfessionen an den heiligen Stätten hätten ihn lange abgeschreckt. Sein erster Besuch Anfang Mai habe ihn jedoch durch die friedliche Atmosphäre überrascht.
Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte Brandmayr öffentlich dazu aufgerufen, trotz der schwierigen Sicherheitslage wieder nach Jerusalem zu pilgern. Das Österreichische Hospiz solle weiterhin ein Ort der Begegnung, des Dialogs und des Friedens bleiben. Vor Jerusalem war er Dompropst von Wiener Neustadt und hatte eine wichtige Rolle bei mehreren Seligsprechungsprozessen wie jenen für Petrus Pavlicek, Hildegard Burjan und Kaiser Karl I.
Pilgerhaus und Café
Das Pilgergästehaus mit rund 120 Betten, Kapelle und dem hauseigenen "Café Triest" liegt in der Jerusalemer Altstadt direkt an der Via Dolorosa. 1863 als Pilger-Hospiz eröffnet, ist das Gebäude nach einer bewegten Geschichte, während der es mehrfach beschlagnahmt und u. a. als Waisenhaus, Internierungslager, Offiziersschule und Spital genutzt wurde, seit 1985 wieder im Besitz der katholischen Kirche. 1988 wurde es nach einer Renovierung als Pilgerhaus wiedereröffnet und 2019 um einen Zubau erweitert. Das Gästehaus geht in seinem Wirken deutlich über die Funktion als reine Pilgerherberge hinaus. Es ist in Jerusalem auch als Kulturträger, Bildungseinrichtung und Ort des Dialogs unter Kulturen und Religionen positioniert.
Das Pilgerhaus im Heiligen Land stand zuletzt unter interimistischer Leitung von Lucas Maier, nachdem der langjährige Rektor Markus Stephan Bugnyar im Oktober 2024 dienstfrei gestellt worden war. Das Pilger-Hospiz ist dem jeweiligen Erzbischof von Wien als Protektor unterstellt.