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Caritas Nigeria fordert humanitären Notstand im Nordwesten

20.07.2026 15:46
Nigeria/Gewalt/Hilfsorganisation/Krise
Expertin: Ausrufung würde Hilfsmaßnahmen erleichtern - Frauen in Schlüsselrolle für Bewältigung der aktuellen Krise
Abuja, 20.07.2026 (KAP) Angesichts der zunehmenden Gewalt im Nordwesten Nigerias hat die Caritas Nigeria die Regierung des Landes zur Ausrufung eines humanitären Notstands aufgefordert. Dadurch könnten Hilfsmaßnahmen nach dem Vorbild des seit Jahren geltenden Notstands im Nordosten des Landes rascher koordiniert und internationale Hilfsorganisationen stärker eingebunden werden, erklärte Jude Akwo, Leiter des Programms für gute Regierungsführung bei Caritas Nigeria, laut dem römischen Fidesdienst (Montag) bei einem Fachseminar in Sokoto.

Ziel sei insbesondere die Einrichtung geordneter Lager für Binnenvertriebene in den von bewaffneten Banden und dschihadistischen Gruppen am meisten betroffenen Regionen. Derzeit lebten die meisten Vertriebenen in provisorischen Siedlungen ohne ausreichende Infrastruktur oder Schutz. Besonders Frauen und Kinder seien dadurch einem erhöhten Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt, warnte Akwo.

Zugleich hob die Caritas die Rolle von Frauen bei der Bewältigung der Krise hervor. Entgegen dem verbreiteten Bild bloßer Opfer seien sie vielfach tragende Säulen ihrer Gemeinden. Sie organisierten Frühwarnsysteme, unterstützten Familien entführter Angehöriger, kümmerten sich um Überlebende und bauten lokale Hilfsnetzwerke auf. Über Spar- und Kreditgruppen sammelten sie zudem Geld, um betroffene Familien zu unterstützen oder in einzelnen Fällen Lösegelder für Entführte aufzubringen.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) lebten Ende 2025 im Nordosten Nigerias rund 2,33 Millionen Binnenvertriebene. Im Nordwesten waren im Oktober 2025 bereits rund 1,38 Millionen Menschen auf der Flucht. Hauptursachen sind bewaffnete Überfälle und Entführungen, Konflikte zwischen Hirten und Bauern sowie interkommunale Gewalt; auch dschihadistische Angriffe tragen zur Vertreibung bei.
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