Kardinal im Interview mit Magazin "Information Christlicher Orient": "Den christlichen Brüdern und Schwestern eine kirchliche Beheimatung ermöglichen" - In Österreich leben etwa eine halbe Million Christen aus dem Nahen Osten und aus Asien
Wien, 21.07.2026 (KAP) Seit 1. Juli befindet sich die Lazaristenkirche im 7. Wiener Bezirk in der Kaiserstraße im Eigentum der Koptisch-orthodoxen Kirche. Es ist dies bereits die vierte Kirchenübergabe an die Kopten in Wien. Die jüngste erfolgte in der Amtszeit von Erzbischof Josef Grünwidl, die drei zuvor unter Kardinal Christoph Schönborn. Im Interview in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Information Christlicher Orient" (Juli-Ausgabe) hat Schönborn bekräftigt, dass er die Übergabe von nicht mehr benötigten katholischen Kirchen an andere Konfessionen für den richtigen Weg hält. Zudem würdigte er die Koptische Kirche für ihren starken Glauben, der auch die anderen Kirchen bereichern könne.
Drei Kirchenübergaben in eigener Amtszeit
In der Amtszeit von Schönborn wurden drei Kirchen an die Koptische Kirche übergeben: Die erste war 2003 die sogenannte Russenkirche bei der UNO City, die zweite 2010 die Klosterkirche der "Gesellschaft der Helferinnen" im 18. Bezirk und schließlich erfolgte 2015 die Übergabe der Kirche Maria vom Siege im 15. Bezirk.
In anderen Ländern würden Kirchen entsakralisiert und zu Bibliotheken, Caféhäusern oder Turnsälen umgestaltet. Diesen Weg habe er auf jeden Fall so weit wie möglich vermeiden wollen, sagte Schönborn im Interview, "denn wir haben so viele andere christliche Kirchen in Österreich, besonders in Wien". Da sei es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, "vielleicht auf wirtschaftlichen Gewinn zu verzichten, dafür aber den christlichen Brüdern und Schwestern eine kirchliche Beheimatung zu ermöglichen".
Das habe man auch nicht nur mit den Kopten umgesetzt, sondern mit vielen Kirchen, die in Österreich bzw. vor allem in Wien stark gewachsen sind. Schönborn: "Dieser Weg ist sinnvoll und erfolgreich. Und ich hoffe, dass er weitergehen wird." Man dürfe nicht vergessen, dass in Österreich etwa eine halbe Million Christen aus dem Nahen Osten und aus Asien leben. Dass sie kirchlich beheimatet sind, sei ein großes Anliegen seiner Amtszeit gewesen, "und ich denke, das ist auch für die Zukunft wichtig".
Enge Freundschaft mit Papst-Patriarch Tawadros II.
Mit dem Oberhaupt der Koptisch-orthodoxen Kirche, Papst-Patriarch Tawadros II., ist Kardinal Schönborn eng befreundet. Im Mai des heurigen Jahres war der Patriarch zuletzt in Österreich. Anlass war der 10. Jahrestag der Übertragung der Kirche Maria vom Siege an die Kopten. Der Patriarch stand einem Festgottesdienst vor. Schönborn war Ehrengast bei diesem Gottesdienst. Tawadros dankte dabei einmal mehr für das Kirchengeschenk und die Aufgeschlossenheit der Katholischen Kirche gegenüber den koptischen Glaubensgeschwistern. Der Patriarch absolvierte im Mai auch einen mehrtägigen Pastoralbesuch in Österreich und besuchte u.a. auch ein koptisches Jugendtreffen.
Im konkreten Blick auf die Koptische Kirche hielt Kardinal Schönborn im ICO-Interview fest: "Ich habe so viel Schönes mit den koptischen Christinnen und Christen erlebt. Wenn man miteinander betet und gemeinsam auf Christus und die Mutter Gottes schaut, wenn man sich von der Glaubenstreue dieser Menschen berühren lässt - dann muss man einfach sagen: Wir sind wirklich Geschwister im Glauben. Das, was uns trennt, ist unvergleichlich weniger als das, was uns verbindet."
Das Magazin "Information Christlicher Orient" wird von der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) herausgegeben. (Infos: www.christlicher-orient.at)
Gottesdienst aus Anlass des Jubiläums "Zehn Jahre koptische Kirche Maria vom Siege" - Messe stand im Zeichen der ökumenischen Verbundenheit unter den Kirchen - Koptischer Papst nahm in Österreich auch an Jugendtreffen teil