Jesuit und Sozialpionier P. Sporschill feiert 80. Geburtstag
22.07.202613:24
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"Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?" war und ist die Leitfrage des Ordensmannes, der seit 2012 im rumänischen Siebenbürgen für und mit Roma wirkt und lebt
Sibiu, 22.07.2026 (KAP) Der Jesuit und Sozialpionier P. Georg Sporschill feiert am Sonntag, 26. Juli, seinen 80. Geburtstag. Dem am 26. Juli 1946 in Feldkirch geborenen Georg Sporschill waren seit seiner Studienzeit "die Schwierigen ans Herz gewachsen". Die Leitfrage für seinen Lebensweg sei für ihn stets gewesen: "Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?" Für sein Wirken, u.a. im Einsatz für Straßenkinder in Osteuropa und für Roma in Siebenbürgen, wurde Sporschill vielfach international und national ausgezeichnet. Die größte Auszeichnung war und ist ihm aber stets, das Leben mit den ihm anvertrauten Menschen teilen zu dürfen, in gegenseitiger Wertschätzung und auf Augenhöhe.
Sporschill trat mit 30 in den Jesuitenorden ein, war Redakteur der Zeitschrift "Entschluss", Motor einer großen Jugendbewegung und organisierte in Wien das Caritas-Jugendhaus in der Blindengasse, den Canisibus zur Essensverteilung an Armuts-Hotspots sowie das sozialökonomische Arbeitsmarktprojekt "Café Inigo" in der Wiener Innenstadt. Der Orden sandte ihn 1991 nach Rumänien. Bis 2011 leitete Sporschill den Verein "Concordia", der sich der Arbeit mit Straßenkindern in mehreren Ländern Osteuropas widmet.
Roma-Hilfsprojekt "Elijah"
Er übergab die Leitung an ein neues Team, mit dem Ziel, "in das Milieu zu gehen, wo die Straßenkinder herkommen - zu den überforderten und verwahrlosten Roma-Familien", wie Sporschill erklärte. So ging er in die Roma-Dörfer des siebenbürgischen Harbachtals (Valea Hartibaciului), wo die deutsche Theologin und Sozialarbeiterin Ruth Zenkert, mit der Sporschill schon bei Concordia zusammenarbeitete, das Hilfsprojekt "Elijah" gestartet hatte und nun von Sporschill unterstützt wurde und wird.
Der Name des Hilfsprojekts nimmt auf den biblischen "Feuerpropheten" Elijah Bezug. In einem Gastkommentar im steirischen Sonntagsblatt (aktuelle Ausgabe) schreibt Sporschill über das Projekt: "Wir wollten an die Wurzel gehen, dorthin, wo die Not herkommt. (...) Der Prophet Elijah erweckte das tote Kind einer armen Witwe zum Leben. Allerdings verlangte er etwas von der Witwe. Mit dem letzten Mehl und Öl, das sie im Topf hatte, sollte sie für ihn Brot backen. Er zeigte der Witwe, dass sie nicht armselige Empfängerin, sondern Gastgeberin war."
Noch heute staune er, so der Jesuit, wenn er in die Hütten der Roma-Familien komme: "Wie viele Kinder und Verwandte leben da in einem einzigen Raum! Unglaubliche Gastfreundschaft. Ein farbiger Wandteppich mit dem Motiv des letzten Abendmahles oder des Guten Hirten ziert in der Hütte die Wand und verdeckt Löcher. Hier ist Jesus zuhause, er empfängt mich in der Armut mit einer Fröhlichkeit." Und Sporschill fügt hinzu: "Wenn ich unsere Arbeit beschreiben müsste, dann sage ich nicht "Arbeit", sondern: Wir leben zusammen. Wir teilen Freud und Leid."
"So hält man miteinander den Wahnsinn aus"
Bei einem Lokalaugenschein von Kathpress vor Ort vor formulierte es Sporschill so: "Wir fühlen uns bei den Roma zugehörig, und sie bei uns. Und dann hält man irgendwie miteinander den Wahnsinn aus."
Ein Mangel an Bildung, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit kennzeichnet das Leben vieler Roma, von denen immer noch viel zu viele Analphabeten sind. Zehnköpfige Familien leben unter unvorstellbaren Bedingungen in baufälligen Häusern und Hütten mit nur einem Raum. Dass Mädchen mit 13 Jahren verheiratet und dann auch oft gleich schwanger werden, sei ganz normal, berichtet Sporschill im Kathpress-Interview, aus dem auch ein Podcast entstand. "Elijah" geht es in diesem Umfeld vorwiegend darum, die Verwahrlosung der Kinder zu beenden, ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen und Basisfähigkeiten in den Bereichen Hygiene und geregelter Tagesablauf einzuüben.
Sporschill: "Wir besuchen die Leute zu Hause und sind viel mit ihnen zusammen. Und dann versuchen wir, um die Kinder zu werben. Wir bieten ihnen in unseren Sozialzentren warmes Essen oder Waschmöglichkeiten und versuchen, sie zum Schulbesuch zu motivieren."
"Wer musiziert, ist nicht verwahrlost"
Ruth Zenkert startete ursprünglich mit einem Musikprojekt, um das Vertrauen der Roma zu gewinnen. So wurden von "Elijah" u.a. zwei Musikschulen in Nou und Hosman gegründet, in denen inzwischen rund 300 Kinder unterrichtet werden. Sporschill: "Vor zwölf Jahren gab es in unseren Dörfern keine Stimme, kein Musikinstrument, und jetzt spielen Hunderte Kinder Musik." Die Roma hätten eine besondere Begabung für Musik. Das Beherrschen eines Musikinstruments gebe den Kindern Selbstwertgefühl. Und: "Wer musiziert, ist nicht verwahrlost." Der Besuch einer Musikschule sei oft der erste Schritt zum Besuch einer normalen Schule.
Aus der musikpädagogischen Arbeit von "Elijah" entwickelte sich im Laufe der Jahre ein vielfältiges Hilfsangebot. Es entstanden Horte, Sozialzentren, Arztpraxen, Nachhilfekurse, Jobtrainings, Sportangebote, Familienhäuser, Kinderkrippen für berufstätige Mütter, ein Bauhof für Hausrenovierungen, eine Töpferei und Weberei, Familienhilfen, ein Schülerwohnheim im nahen Sibiu, ein Streetwork-Projekt in Bukarest und vieles andere mehr. In den vergangenen 14 Jahren kam praktisch jedes Jahr eine neue Einrichtung hinzu. Viele Jugendliche haben mithilfe von Nachmittagsbetreuung die Schule abgeschlossen, einige haben es bis zum Studium geschafft. All das sei nur möglich dank der vielen treuen Spenderinnen und Spender, bekräftigte Sporschill.
Insgesamt arbeiten inzwischen auch 80 Rumäninnen und Rumänen in Voll- oder Teilzeit für "Elijah"-Programme. Auch einige Roma-Schützlinge gehören inzwischen zu den Stützen von "Elijah". Eine weitere Stütze sind Ehrenamtliche aus allen Altersgruppen. Regelmäßig gibt es Volontäre aus Österreich, die für einige Monate bis ein Jahr ins Harbachtal kommen. Für viele ist es auch die erstmalige Erfahrung des Mitlebens in einer ökumenischen Basisgemeinde, zu der auch das tägliche Gebet gehört.
Augenmerk auf den "geistigen Erben"
Im jüngsten Jahresbericht von "Elijah" schreibt Sporschill, dass er angesichts seines 80. Geburtstags sein Augenmerk verstärkt auf seine "geistigen Erben" legen wolle. Der alttestamentliche Prophet Elijah - er hat große Bedeutung im Judentum wie im Christentum und gilt als Nothelfer, aber auch Vorbild für soziale Arbeit - habe "50 starke Schüler hinterlassen". Elijah sei diesbezüglich auch Vorbild für Unternehmer: "Gute Unternehmer" - so der Vorarlberger Jesuit - "haben Nachfolger. Wer lernt von dir? Wer teilt mit dir die Aufgabe? Wer sind deine Erben?"
Das Kathpress-Interview wurde im Religionspodcast "Wer glaubt, wird selig" anlässlich des Geburtstags von Sporschill neu publiziert und ist u.a. auf der Website der katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at), auf https://studio-omega-der-podcast.simplecast.com sowie auf iTunes, allen Smartphone-Apps für Podcasts und auf Spotify abrufbar.
"Moise - Mein Leben mit Pater Georg"
Ein ehemaliges Straßenkind aus einem rumänischen Romadorf, Florin Moise, hat zum 80. Geburtstag Sporschills eine Graphic Novel gezeichnet und getextet. Der Band "Moise - Mein Leben mit Pater Georg" ist jetzt im Wiener Verlag für moderne Kunst (www.vfmk.org) erschienen. Das Buch kann beim Verein Elijah, Lagergasse 1/4, 1030 Wien (Mail: office.wien@elijah.at, Tel: +4319526000), für eine Mindestspende von 30 Euro bestellt werden.
Heute betreibt der Verein "Elijah" u.a. vier Sozialzentren, Musikschulen, Jugendklubs, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe, Ausbildungs- und Arbeitsprojekte, ein Schülerwohnheim, ein Mutter-Kind-Haus, ein Streetwork-Projekt in Bukarest und Hilfe zum Neu- und Umbau von Häusern.
(Infos und Spendenkontakt: "Verein Elijah - Pater Georg Sporschill SJ - Soziale Werke"; IBAN AT66 1630 0001 3019 8724, www.elijah.at)