Eine Kreuzritterburg im Libanon und ein historisches palästinensisches Dorf könnten im Eilverfahren Welterbestätten werden
Tel Aviv, 22.07.2026 (KAP/KNA) Israel wirft der Unesco vor, seinen Kampf gegen mutmaßlich terroristische Strukturen im Nahen Osten zu untergraben. Die Weltkulturorganisation dürfe sich bei der Vergabe von Welterbestätten nicht von Organisationen wie der Hisbollah oder der Palästinensischen Autonomiebehörde instrumentalisieren lassen, mahnte Israels Außenministerium in einer Mitteilung am Dienstagabend.
Konkret entzündet sich der israelische Protest an zwei Stätten, über die in den kommenden Tagen bei der Sitzung des Unesco-Komitees im südkoreanischen Busan beraten wird. So werde die Kreuzfahrerfestung Beaufort im Südlibanon nach Angaben Israels von der Hisbollah als militärischer Stützpunkt genutzt. Von dort würden auch Raketen abgeschossen. "Das Schweigen der Unesco zur systematischen Entweihung der Beaufort-Burg durch die Hisbollah, während sie zugleich Israels Verteidigungsmaßnahmen kritisiert, stellt nach Ansicht Israels ein moralisches Versagen dar", heißt es in der Erklärung des Ministeriums.
Eilverfahren in Busan
Ähnlich gestalte sich die Situation um das historische palästinensische Dorf Sebastia, "die historische und biblische Hauptstadt des antiken Königreichs Israel", so das Außenministerium. "Der Versuch, die Stätte als akut gefährdet darzustellen, ist durch keine fachliche Bewertung gedeckt und dient lediglich als politisches Instrument, um die tief verwurzelte und gut dokumentierte jüdische und christliche Geschichte des Ortes auszulöschen." Die eigentliche Bedrohung für Sebastia liege "in der Vernachlässigung und Mitverantwortung der Palästinensischen Autonomiebehörde, die zugelassen hat, dass die antiken Ruinen unter Vandalismus, Diebstahl und Schändung leiden."
Über beide Stätten wird in Busan im Eilverfahren entschieden. Dieses ist möglich, wenn eine Stätte durch Naturereignisse, Kriege oder Konflikte schwerwiegenden Gefahren ausgesetzt ist.
Israel ruft die Unesco auf, die Initiativen zurückzuweisen sowie die militärische Nutzung von Kulturstätten zu verurteilen. "Die Unesco darf nicht schweigen, wenn Terroristen Kulturstätten systematisch für ihre Zwecke missbrauchen. Ebenso darf sie nicht zulassen, dass ihre Plattform dazu genutzt wird, gut dokumentierte historische Tatsachen auszulöschen", so die Erklärung. "Diese zynische Instrumentalisierung des kulturellen Erbes untergräbt die Glaubwürdigkeit der Welterbekonvention."