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Indien: Dalit-Christ nach Urteil auf katholischem Friedhof bestattet

22.07.2026 13:46
Indien/Diskriminierung/Minderheiten/Religion/Katholiken/Christentum/Justiz/Tod/Religiöse Diskriminierung
Gerichtsurteil in Tamil Nadu durchgesetzt - Kirche und Menschenrechtler sehen Signal gegen vorhandene Kastendiskriminierung
Neu-Delhi, 22.07.2026 (KAP) Die Beisetzung eines Dalit-Christen auf einem katholischen Friedhof im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu weckt Hoffnungen auf einen Rückgang der Kastendiskriminierung innerhalb der Kirche. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit und einem Gerichtsurteil zugunsten der Dalit-Christen konnte nun ein Toter am 20. Juli unter Polizeischutz auf dem Friedhof der Pfarre St. Maria Magdalena beigesetzt werden, berichtete das asiatische Online-Portal "UCA News". Kirchenvertreter und Dalit-Aktivisten sprechen von einem wichtigen Signal gegen die bis heute fortbestehende Ausgrenzung von Christen aufgrund ihrer Kastenzugehörigkeit.

Das Wort Dalit bedeutet im Sanskrit "mit Füßen getreten" und bezieht sich auf alle Gruppen, die einst als "Unberührbare" galten. Das indische Kastensystem wurde durch die Verfassung im Jahr 1950 offiziell abgeschafft; weiters verbietet die indische Verfassung jede Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit. Rund ein Sechstel der 1,3 Milliarden Inder sollen dieser sozial benachteiligten und diskriminierten Gruppe angehören. Etwa drei Viertel der indischen Katholiken sind Dalits.

Dringlichkeit hatte die Diskriminierung jüngst durch den Tod des Vaters eines in Italien tätigen katholischen Priesters erhalten. Als seine Familie ihn auf dem gemeinsamen katholischen Friedhof beisetzen wollte, verhinderten Angehörige der dominierenden Kaste zunächst die Bestattung und verwiesen auf einen getrennten Friedhof für Dalit-Christen. Obwohl ein Zivilgericht 2024 entschieden hatte, dass der Friedhof allen Katholiken unabhängig von ihrer Kaste offenstehen müsse, blieb der Leichnam drei Tage lang im Haus der Familie. Erst nach Verhandlungen zwischen Behörden, Polizei, Kirchenvertretern und lokalen Gemeinschaften konnte eine Einigung erzielt werden.

Der Fall geht auf eine Klage Rajus und vier weiterer Dalit-Christen aus dem Jahr 2014 zurück. Sie hatten gleichen Zugang zum gemeinsamen Friedhof eingefordert und nach zehn Jahren Recht erhalten. Die nun erfolgte Beisetzung gilt vielen Dalit-Christen als symbolischer Erfolg im Kampf um Gleichbehandlung und Menschenwürde, so UCA News.

Kirche lehnt Kastendiskriminierung ab

Der Sekretär des Büros für Dalits und benachteiligte Gruppen der Katholischen Bischofskonferenz Indiens (CBCI), Zacharias Devasagaya Raj, betonte gegenüber dem katholischen Nachrichtendienst UCA News, die Kirche lehne Kastendiskriminierung offiziell seit Langem ab. Bereits 1990 hätten die Bischöfe Tamil Nadus ein Zehn-Punkte-Programm gegen Diskriminierung in Kirchen und auf Friedhöfen beschlossen, 2016 habe die nationale Bischofskonferenz dies mit einer eigenen Dalit-Politik bekräftigt. "Offiziell fördert die katholische Kirche keine Kastendiskriminierung. Tatsächlich existiert sie aber mancherorts noch immer im Namen der Tradition", sagte Raj.

Auch der Dalit-Menschenrechtsaktivist Mariasusai Mary John sieht den Fall als Beispiel für ein weitverbreitetes Problem. Dalit-Christen würden vielerorts selbst nach ihrem Tod diskriminiert und häufig an der Bestattung auf gemeinsamen Friedhöfen gehindert. Benachteiligungen gebe es zudem innerhalb der Kirche, etwa bei der Besetzung von Leitungsfunktionen für Priester und Ordensleute aus Dalit-Gemeinschaften. Die Beisetzung Rajus mache dennoch Hoffnung, dass sich die Situation ändern könne. Dafür müsse die Kirche jedoch stärker dafür sorgen, dass Gleichberechtigung nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt werde, so der Aktivist.
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