Australien: Nordterritorium vor Einführung aktiver Sterbehilfe
23.07.202609:38
Australien/Politik/Sterbehilfe/Ethik/Parlament
Konservative Regierungspartei will Gesetzesentwurf geschlossen zustimmen
Canberra, 23.07.2026 (KAP) Als letzte australische Jurisdiktion steht das Nordterritorium vor der Legalisierung der sogenannten freiwilligen Sterbehilfe (Voluntary Assisted Dying, VAD). Die konservative Regierung kündigte an, dass der entsprechende Gesetzentwurf im August mit den Stimmen aller 17 Abgeordneten der Regierungspartei beschlossen werden soll. Damit wäre laut einem Bericht des Portals cathnews.com (Donnerstag) die Tötung auf Verlangen künftig in allen Bundesstaaten und Territorien Australiens gesetzlich erlaubt.
Generalstaatsanwältin Marie-Clare Boothby brachte den Gesetzentwurf am Donnerstag ins Parlament ein. Regierungschefin Lia Finocchiaro erklärte, damit bestehe nun Gewissheit, dass die Regelung verabschiedet werde. Die Abstimmung ist als Gewissensentscheidung der Abgeordneten vorgesehen.
Zugang beschränkt auf unheilbar Kranke
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass nur unheilbar kranke Menschen mit einer prognostizierten Lebenserwartung von höchstens zwölf Monaten Zugang zur Suizidbeihilfe erhalten. Ärzte dürfen das Thema nicht von sich aus ansprechen; die Initiative muss vom Patienten ausgehen.
Das Nordterritorium war bereits 1996 weltweit die erste Jurisdiktion, die aktive Sterbehilfe gesetzlich zuließ. Das australische Bundesparlament hob das Gesetz jedoch schon ein Jahr später wieder auf und entzog dem Nordterritorium sowie dem Australian Capital Territory die Gesetzgebungskompetenz in diesem Bereich. Erst 2022 erhielten beide Territorien diese Zuständigkeit zurück.
Kirche warnt vor "Büchse der Pandora"
Die katholische Kirche lehnt aktive Sterbehilfe grundsätzlich ab. Sie unterscheidet zwischen dem Verzicht auf unverhältnismäßige lebensverlängernde Maßnahmen und der gezielten Herbeiführung des Todes. Stattdessen fordert sie den Ausbau der Palliativmedizin und Hospizversorgung sowie eine umfassende Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen.
So hatte der katholische Bischof von Darwin, Charles Gauci, bereits während der Beratungen über eine mögliche Legalisierung der aktiven Sterbehilfe vor einer "Büchse der Pandora" gewarnt. Anstelle eines "schnellen Auswegs" brauche es bessere psychische und palliative Betreuung, erklärte er. Zudem sprach er sich für einen umfassenden Schutz der Gewissensfreiheit des medizinischen Personals und der katholischen Gesundheitseinrichtungen aus, die keine Sterbehilfe durchführen.
Diözese Sydney sieht jüngste Zahlen als "Warnsignal" und als Ergebnis fehlender pflegerischer und palliativer Versorgung besonders in ländlichen Regionen