Referentin für Pilgerbegleitung der Diözese Linz Reisinger: "Pilgern boomt, weil Menschen in einer beschleunigten und unsicheren Welt einen Weg suchen, auf dem Körper, Seele, Gemeinschaft und Spiritualität wieder zusammenfinden können"
Linz, 23.07.2026 (KAP) Anlässlich des heurigen Weltpilgertags (25. Juli) hat die Diözese Linz dem Pilgern einen Schwerpunkt in ihren Medien gewidmet. Dabei erläutert die Pilgerexpertin Andrea Reisinger, was die Faszination des Pilgerns ausmacht. Pilgern sei heute aktueller denn je und spreche Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und Lebenssituationen an. Für Reisinger, Referentin für Pilgerbegleitung der Diözese Linz, liegt das vor allem daran, dass viele Menschen in einer Zeit der Schnelllebigkeit und der globalen Krisen nach Entschleunigung, Orientierung und Sinn suchen.
"Pilgern boomt, weil Menschen in einer beschleunigten und unsicheren Welt einen Weg suchen, auf dem Körper, Seele, Gemeinschaft und Spiritualität wieder zusammenfinden können", so Reisinger. Die Faszination des Pilgerns bestehe darin, dass es mehrere Bedürfnisse moderner Menschen gleichzeitig anspreche: Wer sich auf den Weg mache, suche häufig Ruhe, Natur, Gemeinschaft, eine Auszeit vom Alltag oder Antworten auf persönliche Lebensfragen. Besonders in Phasen des Umbruchs - etwa nach einer Trennung, einem Studienabschluss, einer Kündigung oder beim Übergang in die Pension - nutzten viele Menschen das Pilgern bewusst, um innezuhalten und Veränderungen Schritt für Schritt zu verarbeiten.
Spirituelle Rückbindung
Dass Spiritualität beim Pilgern nach wie vor eine zentrale Rolle spielt, belegen laut Reisinger auch aktuelle Studien. Diese Suche nach einer spirituellen Rückbindung an etwas Größeres bleibe für viele Menschen ein wichtiger Wert, auch wenn die Bindung an die institutionellen Kirchen zurückgehe.
Gleichzeitig sei Pilgern keineswegs nur religiösen Menschen vorbehalten. "Wenn nichts mehr geht, geh", zitierte Reisinger ein bekanntes Pilgersprichwort und verwies darauf, dass das Gehen helfen könne, Gedanken zu ordnen und neue Perspektiven zu gewinnen. Die intensive Wahrnehmung der Natur, beeindruckende Landschaften und das bewusste Unterwegssein vermittelten vielen Menschen ein Gefühl der Verbundenheit und ließen eine tiefere Dimension des Lebens erahnen.
"Ergehungen" wirken nachhaltiger als Erfahrungen
Im Unterschied zu einer Wanderung stehe beim Pilgern weniger das sportliche Ziel als vielmehr der innere Weg im Mittelpunkt. Sehnsucht nach Sinn, Neuorientierung, Trauerbewältigung oder die Suche nach einer Gottesbegegnung seien häufige Beweggründe für den Aufbruch. Das bewusste Gehen ermögliche Erfahrungen, die weit über das reine Unterwegssein hinausgingen.
Reisinger sprach dabei von "Ergehungen", die oft nachhaltiger wirkten als bloße Erfahrungen: Wer Schritt für Schritt unterwegs sei, erfahre ganz konkret, was es bedeute, an persönliche Grenzen zu gelangen, Durststrecken zu überwinden und neue Kraft zu schöpfen. Dadurch wachse auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wer einen langen Weg aus eigener Kraft bewältigt habe, nehme häufig die Zuversicht mit nach Hause, auch die Herausforderungen des Alltags meistern zu können.
Zudem erlebten viele Pilgerinnen und Pilger unterwegs Gastfreundschaft, Wohlwollen und Gemeinschaft. Dies seien Erfahrungen, die den Blick auf andere Menschen verändern und Berührungsängste abbauen könnten, so Reisinger.
Am 25. Juli feiert die Kirche das Fest des Apostels Jakobus. Zugleich wird der Tag als Weltpilgertag begangen. In Österreich laden rund 100 Pilgerwege dazu ein, sich auf das Abenteuer Pilgern einzulassen.