Experten sehen wachsende Verantwortung von Pfarren - Österreich sollte bei Klimaschutz Verantwortung übernehmen: "Industrieländer wie Österreich haben seit Jahrzehnten weit mehr Treibhausgase ausgestoßen als viele andere Staaten."
Linz, 23.07.2026 (KAP) Kirchen und Pfarrgemeinden können beim Klimaschutz eine wichtige Rolle übernehmen, etwa durch Maßnahmen an eigenen Gebäuden sowie für die Bewusstseinsbildung und Gemeinschaft: "Hier kann die Kirche mit gutem Beispiel vorangehen und Klimaschutz im Alltag sichtbar machen", so Georg Spiekermann und Norbert Ellinger vom Klimabündnis Oberösterreich in einem Interview mit der Kirchenzeitung der Diözese Linz (aktuelle Ausgabe). Für Pfarren sehen die Experten zahlreiche Ansatzpunkte: Neben Energiesparen und nachhaltiger Mobilität könnten geöffnete Kirchen bei Hitzewellen, begrünte Pfarrgärten oder klimafitte Friedhöfe einen Beitrag leisten. Auch die Entsiegelung von Kirchenvorplätzen und Parkflächen sowie begrünte Dächer und Fassaden könnten helfen, lokale Hitze zu reduzieren.
Einen deutlichen Anstieg an Anfragen von Pfarren oder Einzelpersonen infolge zunehmender Extremwetterereignisse beobachtet das Klimabündnis derzeit aber nicht. Dies könne sich angesichts kommender Sommer und wachsender Klimafolgen ändern, sagte Spiekermann. "Gleichzeitig wird auch die konkrete Unterstützung von Menschen wichtiger, die bereits heute unter den Folgen des Klimawandels leiden - weltweit, aber zunehmend auch vor Ort in den Pfarrgemeinden", so der Klimawandelanpassungs-Berater von Betrieben sowie Pfarrgemeinden.
Noch ungenügender Meinungswandel
Obwohl der Klimawandel mittlerweile kaum noch geleugnet werden kann, sei ein grundlegender gesellschaftlicher Meinungswandel aber noch nicht erreicht, so die beiden Experten. Auch wenn alte Argumente wie "Klimawandel hat es schon immer gegeben" umso vehementer vorgebracht werden würde, bemerkten sie eine Änderung in der Haltung vieler Menschen.
Ellinger und Spiekermann widersprechen zudem der häufig geäußerten Einschätzung, Österreich sei für den globalen Klimaschutz zu klein. Neben den direkten Emissionen müsse auch die Verantwortung für importierte Produkte berücksichtigt werden, so Ellinger. Industrieländer wie Österreich hätten auch wegen ihrer historischen Treibhausgasemissionen eine besondere Verantwortung: "Industrieländer wie Österreich haben seit Jahrzehnten weit mehr Treibhausgase ausgestoßen als viele andere Staaten." Letzteres bedeute für Spiekermann auch, Verantwortung für den Missstand des Klimawandels zu übernehmen und zu beheben. "Das gilt für Staaten genauso wie für jeden Einzelnen. Sich dieser Verantwortung zu entziehen, halte ich für wenig glaubwürdig. Da fehlt es an innerer Ehrlichkeit."
Trotz breiter Zustimmung in Umfragen fehle es weiterhin an politischer Umsetzung. Gründe dafür seien unter anderem politische Interessen, Lobbying und organisierte Gegenkampagnen, erklärten die Klimabündnis-Vertreter. Das Wissen über wirksame Maßnahmen sei vorhanden, entscheidend sei nun die Umsetzung.
Das Klimabündnis Österreich ist nach eigenen Angaben das größte kommunale Klimaschutz-Netzwerk des Landes. Mitglieder sind unter anderem Städte, Gemeinden, Betriebe, Bildungseinrichtungen sowie Pfarren und Diözesen.