Spanischer Priester warnt nach WM vor "Vergötterung" des Fußballs
23.07.202613:48
Spanien/Fußball/Sport/Ethik/Religion/Gesellschaft
Mahnungen infolge von Beleidigungen zwischen Fußballfans aus Spanien und Argentinien nach dem Finalspiel beider Länder
Madrid, 23.07.2026 (KAP) Nach beleidigenden Auseinandersetzungen zwischen argentinischen und spanischen Fußballfans in sozialen Netzwerken im Anschluss an das WM-Finale hat ein spanischer Priester vor einer Überhöhung des Sports gewarnt: "Es ist kein Fußball, es ist Idolatrie", schrieb laut dem spanischsprachigen Portal aciprensa der Priester Francisco Javier Bronchalo aus der Diözese Getafe auf der Plattform X. Er beklagte "zu viele Beleidigungen" zwischen Anhängern beider Länder und kritisierte die Aggressivität der Reaktionen im Internet.
Spanien hatte am Sonntag, 19. Juli, Argentinien im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft mit 1:0 besiegt und sich damit zum zweiten Mal nach 2010 den Weltmeistertitel gesichert. Das Tor von Ferrán Torres entschied die Partie. Nach dem Spiel kam es in sozialen Netzwerken zu zahlreichen gegenseitigen Beschimpfungen zwischen Anhängern beider Mannschaften.
Fußball darf nicht zum "letzten Ziel" werden
Bronchalo betonte, nicht der Fußball selbst sei das Problem. Der Sport könne Freude bereiten und Werte wie Einsatz, Ausdauer, Loyalität und Teamgeist fördern. Problematisch werde es jedoch, wenn ein Mittel zum höchsten Ziel erhoben werde. "Ein Mittel, das an die Stelle eines Ziels gesetzt wird, wird zum Tyrannen", schrieb der Priester. Fußball als "letztes Ziel" könne zu Wut, Angst und Leere führen.
Der Mensch sei darauf ausgerichtet, etwas anzubeten. Wenn diese Verehrung nicht Gott gelte, könne sie sich auf andere Dinge richten - etwa Erfolg, Geld, den eigenen Körper oder eine Fußballmannschaft. Dann werde aus einer Leidenschaft eine "Religion ohne Gott". Die heftigen Reaktionen im Internet zeigten nach Ansicht des Priesters, dass manche Menschen mit Gewalt und Spott etwas verteidigten, das ihnen letztlich keinen wirklichen Sinn geben könne. "Aus dem, was das Herz erfüllt, spricht der Mund", schrieb er und ergänzte: Heute könne man sagen: "Aus dem, was das Herz erfüllt, schreiben die Finger."
Aufrufe zu Versöhnung und Respekt
Auch der Bischof der spanischen Diözese Orihuela-Alicante, José Ignacio Munilla, hatte bereits vor dem Finale vor einer religiösen Überhöhung des Sports gewarnt. Fußball könne wichtige Werte vermitteln, sagte er, doch "eine Sache ist es, den Sport zu genießen, und eine andere, ihn zu einer Religion zu machen". Wer nicht verlieren könne, zeige Unreife; wer gewinnen müsse, indem er den anderen erniedrige, könne ebenfalls nicht wirklich gewinnen.
Mehrere katholische Geistliche aus Spanien und Argentinien riefen nach dem Finale zu Versöhnung und gegenseitigem Respekt auf. Der argentinische Priester Tomás Agustín Beroch gratulierte Spanien zum Titel und würdigte den verdienten Sieg. Der spanische Priester Francisco Delgado veröffentlichte vor dem Finale ein Bild zweier Spieler, die Arm in Arm über den Platz gehen, mit der Botschaft: "Rivalen für einen Tag. Brüder für immer." Ähnlich gratulierte auch der argentinische Priester Javier Olivera Ravasi Spanien und betonte, die Mannschaft habe den Titel verdient.
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