Kirchliche Appelle zu Dialog, Frieden, Heilung, Gerechtigkeit und Bildungsreform
Neu-Delhi, 23.07.2026 (KAP) Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen bei den Bildungsprotesten in Neu-Delhi hat die katholische Kirche in Indien zu Frieden, Dialog und einer Reform des Bildungssystems aufgerufen. Die Indische Bischofskonferenz veröffentlichte am Donnerstag ein Gebet "für nationalen Frieden, Heilung, Gerechtigkeit und Bildungsreform". Darin betet sie für die Verletzten der "jüngsten Gewalt bei Jantar Mantar" und deren Familien sowie für "Weisheit, Mitgefühl und Zurückhaltung" bei allen, die für die öffentliche Ordnung verantwortlich sind. Friedliche Stimmen müssten "mit Würde und Respekt" gehört werden, Unterschiede durch Dialog statt Gewalt gelöst werden.
Die Proteste richten sich gegen den Bildungsminister Dharmendra Pradhan und gegen mutmaßliche Missstände bei den landesweiten Hochschulaufnahmeprüfungen. Auslöser waren Vorwürfe über Prüfungslecks und Korruption beim Zulassungsverfahren für Medizinstudienplätze. Organisiert werden die Demonstrationen von der satirischen Protestbewegung Cockroach Janata Party ("Kakerlakenpartei"), die nach dem Prüfungsskandal gegründet wurde. Zusätzliche Dynamik erhielten die Proteste, nachdem sich der bekannte Umweltaktivist Sonam Wangchuk mit einem Hungerstreik der Bewegung angeschlossen hatte.
Kundgebung eskalierte
Als Tausende Demonstranten am vergangenen Montag, 20. Juli, zum Parlament marschieren wollten, stoppte die Polizei den nicht genehmigten Protest mit Schlagstöcken und Tränengas. Nach Angaben der Behörden wurden dabei 60 Demonstranten und 118 Sicherheitskräfte verletzt. Teilnehmer erklärten hingegen, die Kundgebung sei zunächst friedlich verlaufen und erst durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte eskaliert.
Der Weihbischof von Bombay, Savio Fernandes, nannte den Polizeieinsatz einen "schwarzen Tag für die Demokratie" und forderte eine unabhängige Untersuchung. Videoaufnahmen deuteten darauf hin, dass die Polizei gegen junge Menschen vorgegangen sei, die an einer friedlichen, an Mahatma Gandhi orientierten Demonstration teilgenommen hätten. "Eine selbstbewusste Demokratie fürchtet keinen friedlichen Protest. Sie tritt mit ihm in den Dialog", erklärte Fernandes. Er forderte zudem die Aufklärung möglicher Provokationen während der Kundgebung sowie eine Untersuchung des Vorgehens der Sicherheitskräfte.
Besorgt zeigte sich der Weihbischof auch über Bilder des festgenommenen Umweltaktivisten Wangchuk, die Fragen nach Transparenz und Rechenschaftspflicht aufwürfen. Wahlen verliehen einer Regierung nicht das Recht, Kritik zu ignorieren oder Andersdenkende als illoyal darzustellen, betonte Fernandes. "Regierungen existieren, um dem Volk zu dienen, nicht umgekehrt."