Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:

Ein Monat nach dem Beben: Venezuelas Bischöfe üben Kritik an Regierung

24.07.2026 09:33
Venezuela/Erdbeben/Naturkatastrophe/Wiederaufbau/Kirche/Regierung
Viele Betroffene von öffentlichen Institutionen im Stich gelassen - Verweis auf Not tausender Obdachloser, die Wohnraum, Arbeit und Begleitung brauchen - Beben "keine Strafe Gottes"
Caracas, 24.07.2026 (KAP) Venezuelas Bischöfe üben einen Monat nach den verheerenden Erdbeben scharfe Kritik am Krisenmanagement der staatlichen Behörden. In einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft beklagt die Bischofskonferenz, viele Betroffene hätten sich von den öffentlichen Institutionen im Stich gelassen gefühlt. Es sei "Pflicht" des Staates, auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein. Die Bischöfe verlangen zudem, dass beim Wiederaufbau frühere Fehler nicht wiederholt werden. Andernfalls würden die Schwächsten erneut unter "Korruption und Gleichgültigkeit" leiden.

Unter dem Titel "Samariter, Zeugen der Hoffnung" rufen die Bischöfe zu einer raschen und tiefgreifenden Wiederaufbauarbeit auf. Diese müsse den Tausenden Obdachlosen Zugang zu menschenwürdigem Wohnraum und Arbeit verhelfen sowie psychologische und seelsorgliche Begleitung für die Betroffenen sicherstellen. Zugleich dürfe die Naturkatastrophe nicht von den anderen Krisen des Landes ablenken. Die Bischöfe erinnern an politische Gefangene, Menschen, die mit "Elendslöhnen und Armutsrenten" auskommen müssten, Kranke sowie Migranten. Das Erdbeben habe eine Gesellschaft getroffen, die bereits zuvor unter schweren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen gelitten habe.

In Anlehnung an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter weisen die Bischöfe entschieden Behauptungen zurück, die Erdbeben seien eine Strafe Gottes. Gott sei vielmehr "in den Opfern und mit den Opfern", denn sie seien die Bevorzugten Jesu Christi. Zugleich würdigen die Bischöfe die außergewöhnliche Solidarität der Bevölkerung. Besonders die Armen seien zu "den größten Samaritern" geworden, indem sie den Betroffenen beigestanden hätten. Hervorgehoben wird auch der Einsatz der Rettungskräfte und freiwilligen Helfer, darunter zahlreicher internationaler Teams, die "gezeigt haben, dass alle Menschen Brüder sind - über Grenzen und Flaggen hinweg".

Die Bischofskonferenz dankt außerdem Papst Leo XIV. für seine Nähe sowie den Ortskirchen weltweit für ihre Gebete und die Hilfe über das internationale Caritas-Netzwerk. Für Freitag waren landesweit Gedenkgottesdienste angekündigt, um für die Opfer der Erdbeben und für das Land zu beten.

Bisher 5.398 registrierte Todesopfer

Einen Monat nach den schweren Erdbeben vom 24. Juni mit den Magnituden 7,2 und 7,5 beziffert die venezolanische Regierung die Zahl der Todesopfer auf 5.398. Weitere 16.740 Menschen wurden verletzt, 17.265 verloren ihre Wohnungen. Insgesamt wurden 856 Gebäude beschädigt, davon 190 vollständig zerstört. Derzeit leben noch 23.335 Betroffene in 107 provisorischen Notunterkünften. Besonders schwer getroffen wurde der Bundesstaat La Guaira, daneben entstanden auch in Caracas und den umliegenden Regionen erhebliche Schäden an Wohnhäusern, öffentlicher Infrastruktur und kirchlichen Einrichtungen.

Hauptstadt-Erzdiözese zieht Zwischenbilanz

Die von den Zerstörungen stark betroffene Erzdiözese Caracas zog zudem in einer Pressekonferenz eine erste Bilanz ihrer Hilfsmaßnahmen. Erzbischof Raúl Biord betonte, die Kirche habe unmittelbar nach den Beben eine Notfallkommission eingerichtet und "rasch reagiert", um die Betroffenen seelsorglich, psychologisch und materiell zu begleiten. Biord dankte insbesondere den zahlreichen Freiwilligen von Caritas und den Pfarrgemeinden für ihren Einsatz.

Der Schwerpunkt liege auf der Begleitung der Menschen in ihrer Trauer, erklärte Pastoralvikar Ricardo Guillén. Priester, Diakone und Seminaristen begleiteten Hinterbliebene, feierten Begräbnisse für geborgene Opfer und seien in Notunterkünften sowie den zerstörten Stadtvierteln präsent. Angesichts zahlreicher noch unter den Trümmern vermisster Menschen unterstrich Guillén die Verpflichtung der Kirche, den Verstorbenen nach Möglichkeit eine würdige christliche Bestattung zu ermöglichen und Angehörige in ihrem Trauerprozess zu begleiten.

Nach Angaben des Weihbischofs José Manuel León wurden bisher rund 490 Tonnen Hilfsgüter verteilt. Die Unterstützung erreiche Krankenhäuser, Notunterkünfte und besonders schwer betroffene Stadtteile. Zugleich werde der Ausbau von Medikamentenbanken in Pfarren und kirchlichen Gesundheitsstationen vorangetrieben. Ein weiterer Schwerpunkt sei die psychologische Betreuung der Überlebenden, insbesondere von Kindern, um Traumata und die Folgen des Erlebten aufzufangen.

Auch die Schäden an kirchlichen Gebäuden wurden erstmals systematisch erfasst. Von bislang 27 aufgrund von Zerstörungen untersuchten Kirchen gelten sechs als uneingeschränkt nutzbar, 16 können nur eingeschränkt verwendet werden und fünf mussten wegen schwerer struktureller Schäden vollständig gesperrt werden. Für die Wiederherstellung der Gotteshäuser stellte die Erzdiözese einen mehrstufigen Sanierungsplan vor, der zunächst die Sicherung gefährdeter Gebäude und detaillierte technische Gutachten vorsieht, bevor schrittweise die eigentlichen Wiederaufbauarbeiten beginnen sollen.
zurück
Meldungen
Erdbebenhilfe in Venezuela: Jesuiten vor Wiederaufbau von Schulen
21.07.2026 15:34
Geschäftsführerin Morales nach zweiwöchigem Besuch vor Ort: Viel Verzweiflung, aber auch große Solidarität und Dankbarkeit der Menschen
Katastrophenhelfer: Lage nach Erdbeben in Venezuela dramatisch
18.07.2026 07:00
Jugend-Eine-Welt-Nothilfe-Koordinator Wedan berichtet im Kathpress-Interview von obdachlosen Familien, wachsender Krankheitsgefahr und schleppendem Wiederaufbau - "Viele Menschen hatten schon vorher kaum etwas, jetzt haben sie gar nichts mehr"

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen