Am kommenden Freitag sind alle 3.000 katholischen Pfarren aufgerufen, um 15 Uhr durch ein fünfminütiges Glockenläuten ein hörbares Zeichen gegen den weltweiten Hunger zu setzen - Caritas-Präsidentin Tödtling-Musenbichler: "Sowohl die Ressourcen als auch das Wissen für die Beendigung des Hungers sind vorhanden - wir können helfen"
Wien, 24.07.2026 (KAP) In rund 3.000 katholischen Pfarren Österreichs läuten am kommenden Freitag, 31. Juli, um 15 Uhr für fünf Minuten die Kirchenglocken als hörbares Zeichen gegen den weltweiten Hunger. Die Aktion geht auf einen Beschluss der Bischofskonferenz zurück und wird in Kooperation mit der Caritas durchgeführt. Sie fällt bewusst auf die Sterbestunde Jesu und soll damit auf das Leid von weltweit rund 645 Millionen hungernden Menschen (FAO-Bericht 2026) aufmerksam machen. Das Glockengeläut sei "ein hörbares Zeichen unserer gemeinsamen Verantwortung", betonte dazu Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler in einer Aussendung am Freitag.
Hunger zähle weiterhin zu den größten humanitären Herausforderungen der Zeit. Es sei eine "Tragödie", so Tödtling-Musenbichler, dass Menschen weiterhin verhungern: "Sowohl die Ressourcen als auch das Wissen für die Beendigung des Hungers sind vorhanden - wir können helfen". Verschärft werde die dramatische Situation durch die Klimakrise: 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen lebten bereits in Regionen, die stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. "Mit dem Glockenläuten wollen wir auf diesen Skandal aufmerksam machen. Wir dürfen die Millionen Menschen, die unmittelbar von Hunger betroffen sind, nicht vergessen. Es ist eine Frage des Wollens und der damit verbundenen politischen Entscheidungen, den weltweiten Hunger zu beenden", so Tödtling-Musenbichler.
Hunger und Klimakrise lassen sich nur gemeinsam bekämpfen
Zwar sei der Hunger weltweit das dritte Jahr in Folge zurückgegangen, jedoch sei die Lage weiterhin fragil und von Ungleichheit geprägt: In Afrika etwa steige der Hunger weiter an; fast 60 Prozent der Bevölkerung seien dort von Ernährungsunsicherheit betroffen - doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Dürren, Überschwemmungen und zunehmend unberechenbare Wetterbedingungen vernichten Ernten und bedrohen die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. "Genau hier setzt die Caritas an: Wir unterstützen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen und stärken die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber den Folgen der Klimakrise", so Tödtling-Musenbichler.
Für die Caritas sei klar, dass sich Hunger und Klimakrise nur gemeinsam bekämpfen lassen: "Reiche Industrieländer verursachen durch ihre Treibhausgasemissionen maßgeblich den Klimawandel. Gleichzeitig leiden jene Menschen am stärksten unter seinen Folgen, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Deshalb liegt es auch an uns, unseren Beitrag zu einer klimaneutralen Wirtschaft und gerechteren Gesellschaft zu leisten", betonte die Caritas-Präsidentin.
Das österreichweite Glockenläuten am 31. Juli solle ein Zeichen für mehr globale Solidarität setzen und zum gemeinsamen Engagement gegen Hunger und Klimakrise aufrufen: "Wir müssen jetzt handeln. Wir dürfen Millionen Menschen nicht ihrem Hunger überlassen und dabei zusehen, wie immer mehr Lebensgrundlagen zerstört werden", appellierte Tödtling-Musenbichler abschließend.
Bischöfe rufen zu Solidarität gegen Hunger auf
Auch der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler und der Linzer Bischof Manfred Scheuer riefen am Freitag zur Solidarität mit den weltweit rund 673 Millionen hungernden Menschen auf. Glettler bezeichnete das Glockenläuten als "starke und zugleich hilflose Geste": Stark sei das Läuten, weil es an den christlichen Auftrag erinnere, Leben zu retten. Zugleich ändere es allein nichts an der Realität, "weil es kaum etwas an den beschämenden Fakten ändert: Nach Schätzungen sterben täglich über 25.000 Menschen an den Folgen von Hunger - das entspricht der Einwohnerzahl von zwei Tiroler Kleinstädten. Täglich!"
Er dankte allen, die die Caritas-Sommersammlung unterstützen und sich an der Aktion beteiligen, "damit die Menschlichkeit über die Gleichgültigkeit siegt". Auch Caritas-Tirol-Direktorin Elisabeth Rathgeb erklärte: "Das Glockenläuten macht auf stille Katastrophen aufmerksam: Millionen Menschen leiden täglich unter Hunger." Das Glockenläuten sei somit "ein hörbares Zeichen der Solidarität".
Projekte in Burkina Faso, Mali und im Kongo
Der Linzer Diözesanbischof Scheuer betonte die Verantwortung der Christinnen und Christen für eine gerechte Verteilung der Güter: "Das Glockenläuten gegen den Hunger soll uns an unsere ganz persönliche Verantwortung erinnern." Scheuer rief gemeinsam mit Caritas OÖ-Direktor Stefan Pimmingstorfer zu Solidarität und Engagement für eine Zukunft ohne Hunger auf.
Konkret ist die Caritas der Diözese Linz seit mehr als 25 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo aktiv - einem der Länder mit der höchsten Armutsquote weltweit. "Im Vorjahr retteten wir mit Nahrung und Medikamenten das Leben 3.120 mangelernährter Kinder. Ältere Kinder erhalten in den Schulen täglich eine warme Mahlzeit", informierte Pimmingstorfer. Außerdem unterstützt die Hilfsorganisation Kleinbauernfamilien dabei, ihre Landwirtschaft an die Folgen der Klimakrise anzupassen. Im Vorjahr verteilte die Caritas OÖ mehr als zwei Tonnen lokal angepasstes Saatgut.
Die Caritas verbindet die Aktion mit ihrer Sommersammlung für Hilfsprojekte. In Tirol kommen die Spenden Projekten in Burkina Faso und Mali zugute, während die Caritas Oberösterreich unter anderem Ernährungs- und Landwirtschaftsprojekte in der Demokratischen Republik Kongo unterstützt.