KMBÖ widmet sich in Tagung dem Thema "Friede - und dann. Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung"
Linz, 24.07.2026 (KAP) Stärke und Männlichkeit zeigen sich nicht in Dominanz, sondern in der Fähigkeit, Gewalt zu durchbrechen: Mit dieser Botschaft hat der Grazer Neutestamentler Josef Pichler bei der Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) für ein biblisches Verständnis von Frieden geworben. Die mehrtägige Veranstaltung in Pyhra bei St. Pölten steht heuer unter dem Jahresthema "Friede - und dann. Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung". Die Sommerakademie dauert noch bis Samstag. Auf dem Programm steht unter anderem ein Vortrag des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler.
Pichler stellte das biblische Verständnis des hebräischen "Shalom" dem historischen Konzept der "Pax Romana" gegenüber. Während Letzteres den Frieden des römischen Imperiums sichere, ziele der biblische Friede auf das Wohl aller Menschen. Konkret verwies er auf das Lukasevangelium, in dem Frieden nicht als einmal erreichter Zustand verstanden wird, sondern als Auftrag mit "kleinen Schritten". "Mach dich immer wieder auf den Weg zum Frieden", fasste Pichler die Botschaft Jesu nach der Heilung der Frau mit Blutfluss zusammen.
Wahre Männlichkeit erweise sich darin, Gewaltspiralen "asymmetrisch zu durchbrechen", sagte der Bibelwissenschaftler. Der Theologie verwies zugleich auf unterschiedliche politische Deutungen biblischer Texte: Während die Bibel für rechtsgerichtete evangelikale Gruppen in den USA zwar identitätsstiftend sei, würden etwa das Gebot der Feindesliebe oder andere friedensethische Inhalte von manchen als "weichgespülte, linke, woke Propaganda" abgelehnt.
Mettnitzer zu psychologischen Voraussetzungen des Friedens
Der Psychotherapeut und Theologe Arnold Mettnitzer widmete sich in seinem Vortrag den psychologischen Voraussetzungen von Frieden und Versöhnung. Kriege schafften keinen Frieden und Rache führe nicht zur Versöhnung, betonte der Autor. Frieden setze vielmehr voraus, dass Menschen belastende Erfahrungen ebenso wie positive Erlebnisse in ihr Leben integrieren könnten.
Der Vorsitzende der Katholischen Männerbewegung Österreichs, Karl Toifl, führte in seinen Grußworten mit Verweis auf die Seligpreisungen der Bergpredigt in das Thema ein: "Jesus nennt jene selig, die Frieden stiften." Und weiter: Eine lebendige Kirche brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen.