Leiter des Katholischen Büros in Berlin wirbt für Beibehaltung des Verbots der umstrittenen Praxis - Evangelische Theologin Käßmann: Bei unerfülltem Kinderwunsch Adoption
Berlin, 24.07.2026 (KAP/KNA) In der Debatte um die Leihmutterschaft hat der Leiter des Katholischen Büros auf Bundesebene, Prälat Karl Jüsten, die Position der katholischen Kirche bekräftigt. Der Wunsch nach einem Kind sei sehr verständlich und für viele Paare sei ungewollte Kinderlosigkeit mit viel Leid verbunden, erklärte Jüsten am Freitag in Berlin laut Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Menschliches Leben sei aber unverfügbar und es gebe kein Recht auf ein Kind. Er halte deshalb das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland für richtig.
Jüsten verwies dabei auch auf die Ergebnisse der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission für reproduktive Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin aus dem Jahr 2024. Auch hier hätten die Expertinnen mit Blick auf die Leihmutterschaft zahlreiche Fragen und Bedenken. Dies betreffe vor allem die Benachteiligung von Frauen, die ihren Körper oder bei einer Eizellspende ihre Eizellen für solche Verfahren zur Verfügung stellten. Es gehe dabei aber auch um Fragen einer allgemeinen Kommerzialisierung menschlicher Fortpflanzung. Die Kommission hatte ihre Ergebnisse vor zwei Jahren vorgestellt. Jüsten verwies auch auf die damalige Stellungnahme der katholischen Bischofskonferenz.
Ehemalige Ratsvorsitzende warnt vor "Geschäft"
Ähnlich kritisch äußerte sich auch die evangelische Theologin und Bestsellerautorin Margot Käßmann zum Thema Leihmutterschaft. Es handle sich dabei vor allem um ein Geschäft. "Mehr als 15 Milliarden Dollar werden pro Jahr verdient - bei den 'austragenden' Frauen kommt der geringste Teil davon an", schreibt Käßmann in einem Gastbeitrag für die Illustrierte "Bunte" (Freitag). Dabei ließen sich die Frauen meist aus wirtschaftlicher Not darauf ein.
Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kommt zu dem Schluss: "Reiche Menschen können sich also ein Kind leisten, brutal ausgedrückt: kaufen." Zugleich verweist sie auf dokumentierte Fälle, in denen Auftraggeber auf eine Abtreibung gepocht hätten, wenn das Kind mit einer Behinderung zur Welt komme.
Als Bürgerin eines Landes, das Leihmutterschaft verbiete, sei es für sie irritierend, wenn kurz hintereinander zwei Bundestagsabgeordnete einer Partei, die sich dezidiert gegen das Recht auf Leihmutterschaft ausspricht, genau diese in Anspruch nehmen. Sowohl Hendrik Streeck als auch Jens Spahn müssten die Entscheidung mit ihrem Gewissen, ihrem Glauben und ihrer Partei CDU ins Reine bringen, so Käßmann.
Adoptieren statt "abkaufen"
Sie selbst sei viermal schwanger gewesen, habe eine Fehlgeburt erlitten und einmal Zwillinge zur Welt gebracht, schreibt die 68-Jährige. "Eine Schwangerschaft verändert deinen Körper und dich insgesamt zutiefst." Ein Kind zu gebären, um es wegzugeben, sei für sie unvorstellbar: Sie hätte bei ihren Töchtern wie eine Löwin gekämpft, hätte irgendjemand diese "abkaufen" wollen.
Käßmann räumt ein, dass der Kinderwunsch oft groß sei und es wehtue, wenn er sich nicht leicht erfüllen lasse. Aber nicht der Wunsch der Erwachsenen, sondern die Verantwortung für das Kind müsse im Mittelpunkt stehen. Kinder fragten eines Tages, wer ihre Mama, wer ihr Papa, wer die Großeltern seien, gibt die Theologin zu bedenken: "Wie willst du einem Kind erklären, dass du es der Mutter abgekauft hast? Bitte adoptiert doch Kinder - viele warten darauf."
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