Studie: Viele kontemplative Klöster in Frankreich vor dem Aus
24.07.202615:34
Frankreich/Kirche/Gesellschaft/Wissenschaft/Orden
Soziologin Jonveaux beobachtet beschleunigten Rückgang klösterlichen Lebens, besonders unter weiblichen Gemeinschaften
Paris, 24.07.2026 (KAP) Die kontemplative Klosterlandschaft Frankreichs befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Nach einer Untersuchung der Soziologin Isabelle Jonveaux wurden in den vergangenen 20 Jahren rund 30 Prozent der Klöster geschlossen. Besonders betroffen sind weibliche Ordensgemeinschaften, berichtet das französische Magazin La Vie. Während bei ihnen 32 Prozent der Gemeinschaften aufgegeben wurden, liegt der Anteil bei Männerklöstern bei 21 Prozent. Historisch sei die Zahl der Frauenklöster in Frankreich allerdings deutlich höher gewesen.
Besonders große Verluste verzeichneten nach Angaben der Forscherin die Karmelitinnen, Klarissen und Trappistinnen. Bei diesen Gemeinschaften seien innerhalb von zwei Jahrzehnten rund ein Drittel bis 40 Prozent der Klöster verschwunden. Weniger stark betroffen seien etwa Dominikanerinnen und Benediktiner.
Jonveaux sieht auch einen Zusammenhang zwischen der Pflege bestimmter liturgischer Traditionen und der Entwicklung einzelner Gemeinschaften. Klöster, die neben Französisch auch Latein im Stundengebet verwendeten, hätten sich teilweise stabiler entwickelt als rein französischsprachige Gemeinschaften. Dies deute darauf hin, dass traditionelle Formen weiterhin Menschen ansprechen könnten.
Die Soziologin beobachtet zudem eine Beschleunigung des Rückgangs: Während es bis etwa 2015 meist weniger als vier Schließungen pro Jahr gegeben habe, seien es inzwischen durchschnittlich rund zehn. Frankreich verfüge über eine besonders große Zahl historisch gewachsener Klöster, die angesichts sinkender Berufungen heute nicht mehr überall aufrechterhalten werden könnten, so die Expertin.