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Historiker: Christliche Deutung erschließt neuen Film "Die Odyssee"

25.07.2026 17:33
Deutschland/Kultur/Film/Kulturgeschichte/Christentum/Odyssee/Film
Berliner Historiker Zellner auf "communio.de": "Vielleicht gibt es keinen authentischeren Zugang zur Welt der Odyssee als den über ihre Verflechtung mit dem Denken der Kirche"
Freiburg, 25.07.2026 (KAP) Jenseits aller kontroversen Debatten über den neuen, starbesetzten Film "Die Odyssee" von Christopher Nolan öffnet der Streifen nicht nur einen frischen Blick auf die Welt der griechischen Mythologie, sondern auch auf die christlichen Deutungen, die der Stoff seit jeher hervorgerufen hat. Das hat der Berliner Historiker Sebastian Zellner in einem Gastbeitrag für das Portal "communio.de" am Samstag betont: "Vielleicht gibt es keinen authentischeren Zugang zur Welt der Odyssee als den über ihre Verflechtung mit dem Denken der Kirche." Schließlich hätte der Stoff bereits Kirchenväter und Theologen inspiriert, wie dies der Kirchenhistoriker Hugo Rahner (1900-1968) in seinem Werk "Griechische Mythen in christlicher Deutung" dargelegt habe.

Von Beginn an sei die Odyssee und ihr Held Odysseus in dunklen Farben einer "todesgefährlichen und zugleich in den Hafen der Heimat führenden Seefahrt des Lebens" christlich bzw. religiös gedeutet worden, führte Zellner aus. Wo Nolan diese Odyssee in "beklemmender Tristesse" darstellt, in der sich "keine Seele auf eine transzendentale Hoffnung stützen kann", erscheine in der christlichen Deutung der Mast, an den sich Odysseus am Ende kettet, um nicht dem verlockenden Sirenengesang zu erliegen, als Symbol des rettenden Kreuzes.

Es sei daher durchaus lohnend, den Film zu betrachten: schließlich sei er nicht nur mit "enormer Detailtiefe und klarer Orientierung an der homerischen Dichtung" umgesetzt worden, er könne auch dazu beitragen, die christliche Befassung mit der griechischen Antike neu ins Bewusstsein zu heben. Deutlich zu kurz würden jedenfalls laut Zellner die bereits vor Kinostart teils alarmistisch geführten Debatten zwischen Linken und Rechten greifen, die sich an der angeblich "woken" Besetzung entzünden und im Film ein "politisch korrektes Zerrbild" des 3.000 Jahre alten Epos entdecken wollen.

Immerhin, so Zellner im Blick auf die Debatte: "Dass sich quer über alle politischen Einstellungen hinweg Interesse am Epos regt, ist erfreulich. Denn die über 12.000 Verse umfassende Odyssee stellt zusammen mit der Ilias nicht nur das älteste Literaturzeugnis Europas dar. Beide Texte bieten auch heute noch eine eindrucksvolle und fesselnde Lektüre." (Wortlaut des Beitrags: https://www.herder.de/communio/kultur/die-christliche-deutung-der-odyssee-eroeffnet-einen-ueberraschenden-zugang-zu-christopher-nolans-vieldiskutierter-verfilmung-ein-schiffsmast-als-kreuz)
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