Theologin: Katholischsein hängt nicht von Zölibat und Frauenweihe ab
26.07.202616:25
Österreich/Kirche/Religion/Theologie/Spies
Neue Salzburger Dogmatikerin in "Furche"-Interview über katholische Identität und die Zukunft des Synodalen Prozesses - "Wer meint, das Christentum auf Fragen von Geschlechtlichkeit und Sexualität verengen zu können, muss schon einen großen Teil der Glaubenstradition ignorieren"
Salzburg/Wien, 26.07.2026 (KAP) Katholische Identität steht und fällt nicht mit der jeweiligen Haltung zu den "heiße Eisen"-Themen wie Zölibat, Frauenweihe oder Sexualität. Katholizität und katholische Identität seien vielmehr weite Begriffe. Darauf hat die Salzburger Theologin Franca Spies im Interview mit der "Furche" (Sonntag) hingewiesen. "Wer meint, das Christentum auf Fragen von Geschlechtlichkeit und Sexualität verengen zu können, muss schon einen großen Teil der Glaubenstradition ignorieren." Tatsächlich sei Katholizität ständig im Fluss bzw. in Bewegung. "Mir scheint, es ist mehr in Bewegung, als der fokussierte Blick auf lehramtliche Entscheidungen zu sehen erlaubt", so die Theologin.
Die Wandelbarkeit des Katholischen liege letztlich theologisch in der Offenbarung Gottes selber begründet, führte Spies aus: "Der Katholizismus glaubt zwar an die endgültig ergangene Offenbarung Gottes, aber auch daran, dass diese im Lauf der Geschichte immer tiefer erfasst und je neu ins Wort gebracht wird. Wir dürfen also damit rechnen, dass Überzeugungen der Kirche irgendwann besser oder gar anders verstanden werden."
Synodalität ist zu "kirchlichem Hintergrundrauschen geworden"
Es sei wichtig, immer wieder auf diese bereits von Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) bestätigte Weite hinzuweisen, um gegen einen grassierenden "Wagenburgkatholizismus" anzukämpfen, der Katholizität vor allem durch die Abgrenzung von anderen und einem exklusivistischen Glaubensbegriff verstehe. Ein solcher Begriff von Katholizität sei jedoch nicht zukunftsfähig, zeigte sich Spies überzeugt: "Mancherorts wird heute ein Katholizismus der ganz großen Entschlossenheit proklamiert. Ich glaube kaum, dass das ein Leben lang trägt. Ein krisenerprobter und immer wieder errungener Glaube schon eher. Die Kirche kann genau darin ihre Aufgabe sehen, einen solchen zu begleiten."
Positiv bewertete Spies im Interview das erste Jahr von Papst Leo XIV. im Blick auf den von seinem Vorgänger Franziskus begonnenen Synodalen Prozess: Leo habe Synodalität gleich zu Beginn zu einem Kernthema seines Pontifikats gemacht, erinnerte Spies. Insofern sei es - auch wenn es darum leiser geworden ist - keineswegs erledigt: "Im Moment wäre ich so optimistisch zu sagen: Die fehlende Strahlkraft liegt vielleicht daran, dass das Synodale nicht mehr Licht am Ende des Tunnels, sondern kirchliches Hintergrundrauschen geworden ist."
Eröffnungsrednerin bei "Salzburger Hochschulwochen"
Spies ist seit Ende 2025 Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg und u.a. Eröffnungsrednerin bei den heurigen "Salzburger Hochschulwochen". Die Sommeruniversität steht vom 3. bis 9. August unter dem Generalthema "Wer wir sind und sein wollen - Identität: Superkraft und Problemzone". Weitere Referentinnen und Referenten bei den Hochschulwochen sind u.a. der bekannte Berliner Soziologe Andreas Reckwitz, der Salzburger Politikwissenschaftler Reinhard Heinisch, der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz und der Wiener Astrophysiker Franz Kerschbaum. Der "Theologische Preis für ein Lebenswerk" wird heuer an die Theologin und Ordensfrau Martha Zechmeister verliehen.
Traditionsreiche Sommeruniversität beleuchtet ab 3. August "Superkraft und Problemzone" - Franziskus-Schwerpunkt und hochkarätige Referenten aus Theologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Soziologie