Erzbischof Gänswein: Papst Leo XIV. geht Probleme an
27.07.202608:00
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Früherer Privatsekretär von Benedikt XVI. feiert 70. Geburtstag
Bonn, 27.07.2026 (KAP/KNA) Erzbischof Georg Gänswein nimmt Papst Leo XIV. als behutsames, doch lösungsorientiertes Kirchenoberhaupt wahr. "Er setzt wieder stärker auf die unmittelbare Mitarbeit der römischen Kurie und bringt ihr Vertrauen entgegen", sagte der vatikanische Botschafter im Baltikum im Interview dem Portal katholisch.de. "Zugleich sieht er, dass es in der Kirche Spannungen und Schwierigkeiten gibt, die überwunden werden müssen. Er nimmt diese Realität wahr und versucht, die vorhandenen Wunden mit Klugheit zu heilen."
Gerade unter dem vorangegangenen Pontifikat von Papst Franziskus seien "einige Schwierigkeiten und Nöte sichtbar geworden", so Gänswein weiter. "Papst Leo sieht diese Probleme und geht sie an. Das zeigt, dass er die Realität sieht, ernst nimmt und handelt." In den kommenden Jahren werde es darum gehen "auf die Fragen der Gegenwart überzeugende Antworten aus dem Glauben geben".
Spannungen zwischen Rom und der Kirche in Deutschland bestehen laut Gänswein weiter. Diese ergäben sich vor allem aus dem Reformprojekt Synodaler Weg in Deutschland. Dieser und andere Vorhaben, "die aus der katholischen Glaubenswelt ausbrechen", bedürften noch einer endgültigen Klärung. "Das ist für viele Katholiken in Deutschland, die einfach nur ihren Glauben leben wollen, ein Klotz am Bein."
Lob für DBK-Vorsitzenden Wilmer
Ausdrücklich lobte der Nuntius in diesem Zusammenhang den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Dieser mache bisher "einen guten Eindruck", erklärte der Vatikandiplomat. "Er will offensichtlich nicht mit dem Kopf durch die Wand. Das könnte positive Auswirkungen in Richtung einer Entspannung haben."
Gänswein wird am Donnerstag 70 Jahre alt. Als eine der tiefgreifendsten Wendungen in seinem Leben nennt er die Begegnung mit Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., dessen Privatsekretär er später wurde. "Es ist eine Erfahrung, die mich tief geprägt hat. Viele Menschen auch in den baltischen Ländern kennen mich als ehemaligen Sekretär Benedikts."
Er sehe es als seine persönliche Pflicht, das Andenken an den 2013 zurückgetretenen und 2022 gestorbenen Papst zu bewahren, sagte Gänswein weiter. "Vor allem aber möchte ich dazu beitragen, dass der reiche Schatz seines Pontifikats und seines theologischen Wirkens bewahrt und gehoben wird. Das ist mir wichtig, dafür setze ich mich ein."
Auf seine weitere Zukunft blickt er nach eigenen Worten gelassen. "Natürlich gäbe es Aufgaben, die mich reizen würden. Aber ich muss die Rechnung mit der Realität machen: Ich werde jetzt 70 und bin seit zwei Jahren Nuntius in den baltischen Staaten. Die Vorsehung wird zur rechten Zeit das Richtige entscheiden."
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