USA: Ordensfrau am Weg zur Messe von Einwanderungsbehörde festgenommen
27.07.202611:04
USA/Kirche/Migration/Polizei/Politik/Orden
Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch Veröffentlichungen der Pfarrgemeinde in sozialen Medien. Nach Intervention von Abgeordneten wurde die Ordensfrau nach einigen Stunden wieder freigelassen.
Washington, 27.07.2026 (KAP) Eine katholische Ordensfrau aus Texas hat erstmals öffentlich über ihre Festnahme durch die US-Einwanderungsbehörde ICE berichtet. Schwester Leticia "Letty" Ugboaja wurde am 28. Juni auf dem Weg zur Sonntagsmesse nahe der US-mexikanischen Grenze in Gewahrsam genommen. Sie sei in ihrer Ordenskleidung unterwegs gewesen, habe lediglich einen Rosenkranz und ihr Mobiltelefon bei sich getragen und zunächst nicht verstanden, was geschehe, sagte die 56-Jährige laut einem Bericht des US-Portals Crux.com (Sonntag) bei einer Pressekonferenz in der Kirche Our Lady of Sorrows in McAllen.
"In diesem Moment wusste ich ehrlich gesagt nicht, was mit mir passiert", berichtete die Ordensfrau. Besonders belastend sei gewesen, dass sie trotz ihrer Bitte nicht zur Messe gehen und die Kommunion empfangen durfte. Nach Angaben ihres Anwalts wurde Ugboaja bei der Festnahme nur unzureichend über die Gründe informiert. Die Behörden hätten geplant, sie in ein Drittland zu überstellen. Die sogenannte Drittstaaten-Abschiebepolitik der US-Regierung ist unter Juristen und Menschenrechtsorganisationen umstritten und Gegenstand mehrerer rechtlicher Auseinandersetzungen.
Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch Veröffentlichungen der Pfarrgemeinde in sozialen Medien. Nach Intervention von Abgeordneten wurde die Ordensfrau nach einigen Stunden wieder freigelassen.
Ugboaja gehört den Daughters of Mary Mother of Mercy an und arbeitet als ausgebildete Krankenschwester. Nach Angaben ihres Anwalts Carlos Garcia hatte sie seit Jahren Schutz vor einer Abschiebung nach Nigeria erhalten, da ihr dort nach Einschätzung eines Einwanderungsrichters Folter drohen könnte. 2019 war ihr Asylantrag zwar abgelehnt worden, gleichzeitig erhielt sie jedoch einen rechtlichen Schutz vor der Rückführung. Sie habe alle behördlichen Auflagen erfüllt und eine Arbeitserlaubnis besessen.
Ugboaja kündigte an, auch für andere Menschen in ähnlichen Situationen sprechen zu wollen. Viele Betroffene lebten trotz eingehaltenem Recht weiterhin in Unsicherheit, sagte sie. Ugboaja erklärte, sie sei dankbar für die Unterstützung vieler Menschen, wolle aber nicht schweigen. "Das bedeutet nicht, dass ich still bleiben kann über das, was mir widerfahren ist, oder über das, was anderen weiterhin geschieht", sagte sie.
Der Fall fällt in eine Zeit verschärfter US-Einwanderungskontrollen unter Präsident Donald Trump, der Massenabschiebungen zu einem zentralen politischen Ziel seiner zweiten Amtszeit gemacht hat. Kritiker werfen den Behörden ein zunehmend hartes Vorgehen vor, während die Regierung betont, bestehende Gesetze konsequent anzuwenden.