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Islamischer Theologe und Religionspädagoge, lehrt an der Universität Münster
Attentat
Bild Copyright: © kathbild.at/Rupprecht

Khorchide: Moscheen müssen über queere Vielfalt sprechen

27.07.2026 15:12
Deutschland/Religion/Terroranschlag/Wissenschaft/Islam
Islamwissenschaftler sieht nach Attentat auf Christopher Street Day traditionelle Moscheen beim Thema sexuelle Vielfalt in der Pflicht und übt auch Kritik
Berlin, 27.07.2026 (KAP/KNA) Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide sieht in dem Anschlag auf den Berliner Christopher-Street-Day einen Anlass für Moscheegemeinden, über die Anerkennung queerer Menschen zu sprechen. In den Gemeinden werde sehr abwertend über Homosexualität gesprochen, sagte Khorchide am Montag der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Es brauche Schritte hin zu Anerkennung von Vielfalt auch in Richtung Sexualität, Diversität und queeres Leben. "Ansonsten sind auch die Moscheegemeinden Teil des Problems und nicht der Lösung."

Das "Mindset" des 21-jährigen mutmaßlich islamistischen Attentäters finde sich so und in abgewandelter Form auch in Moscheegemeinden wieder, sagte Khorchide. Auch dort gebe es die Ansicht, dass queere Menschen in Sünde lebten und dem Plan Gottes widersprächen. Gottes Plan sei demnach, dass Menschen entweder als Mann oder als Frau erschaffen worden seien. Homosexuelle dürften sich nicht outen, ihre Sexualität nicht leben und seien nicht gleichberechtigt.

Diese Einstellungen in traditionellen Moscheegemeinden fütterten islamistisches Gedankengut, erklärte Khorchide. Das könne sich in den Köpfen von Islamisten zu der gewaltvollen Idee weiterentwickeln, dass es gottgewollt sei, ein Attentat gegen diese Menschen zu verüben. Khorchide ist in Münster Dekan der ersten islamisch-theologischen Fakultät Europas. Der Attentäter war ihm zufolge kein typischer Moscheebesucher. Er habe sich nicht über eine Moschee radikalisiert, sondern über die sozialen Medien.

"Unislamische Haltung"

Gleichzeitig gebe es auch liberale muslimische Stimmen. Diese Minderheit plädiert laut Khorchide schon seit Jahren dafür, Vielfalt anzuerkennen. Als Beispiel nannte er die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates, die sich für einen queerfreundlichen Islam einsetzt.

Viele jedoch trauten sich nicht, das Thema sexuelle Vielfalt anzusprechen. Sie erlebten mitunter auch Morddrohungen. Khorchide selbst berichtet von Ausladungen von Vorträgen in muslimischen Gemeinden, in denen er plane, über das Thema zu sprechen. Die Begründung laute, dass es eine "unislamische Haltung" sei, für sexuelle Vielfalt einzutreten.

"Queer" ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Identitäten. Ursprünglich als Abwertung verwendet, haben queere Menschen sich den Begriff als Selbstbezeichnung angeeignet.
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