Van der Bellen: Benediktinerinnenabtei Nonnberg "Ort des Miteinanders"
28.07.202611:14
Österreich/Kirche/Staatsoberhaupt/Leute/Orden
Bundespräsident hebt Gastfreundschaft, Stille und gesellschaftliche Bedeutung des Salzburger Frauenklosters hervor - Äbtissin beschreibt Van der Bellen als "ruhenden Pol" in aufgeheizten politischen Debatten
Salzburg, 28.07.2026 (KAP) Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat im Rahmen seines Salzburg-Aufenthalts die Benediktinerinnenabtei Nonnberg besucht und das älteste durchgehend bestehende Frauenkloster im deutschen Sprachraum als Ort der Gastfreundschaft, der Stille und des gesellschaftlichen Miteinanders gewürdigt. In einem anschließend in sozialen Medien veröffentlichten Beitrag dankte er Äbtissin Veronika Kronlachner und den Schwestern für ihre Gastfreundschaft.
Die Abtei sei "ein Ort des Miteinanders, des gemeinsamen Schaffens und ein Ort der Stille und des Zu-sich-Kommens", schrieb das Staatsoberhaupt in seinem Posting, und weiter: "Heimat lebt von Orten mit Geschichte und von Menschen, die sie mit Hingabe gestalten." Gerade in einer hektischen Zeit schätzten viele Menschen Räume, die Ruhe schenkten und neue Kraft gäben. Das tägliche Wirken der Schwestern, geprägt von Glauben, Gastfreundschaft und Achtsamkeit, sei "ein wertvoller Beitrag für unsere Gesellschaft", so Van der Bellen.
Auch für die Ordensgemeinschaft war der Besuch ein besonderes Ereignis. Zwar hätten bereits viele Bundespräsidenten, darunter Rudolf Kirchschläger und Heinz Fischer, die Abtei besucht, für Van der Bellen sei es jedoch die erste Visite gewesen, berichtete Äbtissin Kronlachner am Dienstag im Telefonat mit Kathpress. Zustande gekommen sei die Begegnung über einen früheren Kontakt mit Doris Schmidauer.
Empfangen wurde das Präsidentenpaar in der Stiftskirche, anschließend führte die Äbtissin durch Kreuzgang und Kreuzgarten. Auf der Statio hielt Van der Bellen im Gästebuch fest: "Wir sind erst am Anfang der Führung, aber ich bin schon sehr, sehr begeistert." Danach begegnete er dem Konvent in der Chorkapelle, wo die Schwestern ihm für sein Wirken dankten und ihm das von Nonnberger Schwestern verfasste "Erentrudis-Lied" vorsangen, das seit dem Jubiläum im Jahr 2018 alljährlich auch am Salzburger Glockenspiel erklingt.
Kontemplativer Ort der Stille
Die im Jahr 714 vom heiligen Rupert gegründete Abtei versteht sich bis heute als kontemplativer Ort der Stille und des Gebets. Kirche und Friedhof stehen Besuchern offen, zudem gibt es ein kleines Gästehaus für Frauen, die Tage der Stille oder geistliche Einkehr suchen. Viele Menschen nützen auch die Möglichkeit, morgens und abends bei der Heiligen Messe bzw. Vesper den Gregorianischen Gesängen zu lauschen. "Es ist ein Ort, an dem für viele Menschen die Gegenwart Gottes spürbar wird", sagt Äbtissin Kronlachner. Im Gästebuch habe sich erst vor wenigen Tagen ein Besucher mit den Worten eingetragen: "Ich bin Atheist, aber an dieser Stätte finde ich Ruhe."
Trotz ihrer Abgeschiedenheit verfolgen die Schwestern auf dem Nonnberg auch das politische Geschehen und beziehen es in ihr Gebet ein. Schwester Eva-Maria Saurugg bezeichnete Van der Bellen als "ruhenden Pol", der in aufgeheizten politischen Debatten Respekt und einen angemessenen Stil einmahne. Beeindruckt habe die Gemeinschaft vor allem, dass sich der Bundespräsident im Kloster nicht als Repräsentant, sondern "einfach als Gast" bewegt habe. Dieses natürliche Miteinander habe den Besuch für die Schwestern besonders wertvoll gemacht.