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Ökumene
Bild Copyright: © Georg Pulling/Kathpress

Istanbul: Bischof Glettler bei orthodoxem Patriarchen Bartholomaios

28.07.2026 10:01
(zuletzt bearbeitet am 28.07.2026 um 10:53 Uhr)
Österreich/Türkei/Kirche/Ökumene/Orthodoxie/Bartholomaios/Glettler
Ökologie, Ökumene und Dialog der Religionen u. a. Themen des Gesprächs am Amtssitz des Ökumenischen Patriarchen - Kritik am Moskauer Patriarchen
Istanbul, 28.07.2026 (KAP) Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler ist am Montag in Istanbul vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Audienz empfangen worden. Bei der Begegnung am Amtssitz des Patriarchen im Phanar tauschten sich Glettler und der Patriarch u. a. über die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten, die ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, den Einsatz der Kirchen für die Schöpfung oder auch den Dialog mit dem Islam oder die Situation der Kirchen in der Ukraine aus.

Der Patriarch hob u. a. seine guten persönlichen Beziehungen zu Papst Leo XIV. und dessen Vorgänger Papst Franziskus hervor. Für Ende Oktober hat Papst Leo aus Anlass des 40. Jahrestages des historischen interreligiösen Friedensgebetes von Assisi zu einer Gedenkfeier in die Franziskusstadt geladen. Patriarch Bartholomaios sagte, dass er daran teilnehmen wolle.

Aber nicht nur im bilateralen Dialog mit der Katholischen Kirche, sondern etwa auch im Rahmen des Weltkirchenrates und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) werde das Patriarchat von Konstantinopel in seinen ökumenischen Anstrengungen nicht nachlassen, so das 86-jährige Kirchenoberhaupt. Auch zum Dialog mit dem Islam gebe es keine Alternative, so der Patriarch. - An der Begegnung im Phanar nahm u. a. auch der Wiener Priester und Experte für den Dialog mit dem Islam, Martin Rupprecht, teil.

Vorsichtig optimistisch zeigte sich der Patriarch im Blick auf die Wiedereröffnung der theologischen Hochschule von Chalki. Bei den seit Jahrzehnten geführten Bemühungen bzw. Verhandlungen zwischen der Türkei und der Orthodoxen Kirche über eine Wiedereröffnung der seit 1971 geschlossenen Theologischen Hochschule könnte es laut Beobachtern nun tatsächlich Fortschritte geben. Patriarch Bartholomaios war vor rund einem Monat in Ankara vom türkischen Präsidenten Erdogan zu einem Gespräch empfangen worden, bei dem es vor allem um Chalki ging.

Die Hochschule hat eine lange Geschichte und war eines der führenden theologischen Seminare weltweit. Viele prominente Theologen und Kirchenführer, darunter auch Patriarch Bartholomaios selbst, haben dort studiert.

Die Schließung von Chalki im Jahr 1971 erfolgte durch ein türkisches Gesetz, das den Betrieb privater Universitäten untersagte. Diese Entscheidung führte zu einer schwerwiegenden Einschränkung der Ausbildungsmöglichkeiten für den orthodoxen Klerus und wird seitdem als Hindernis für die religiöse Freiheit der orthodoxen Gemeinschaft angesehen.

"Grüner Patriarch"

Der 86-jährige Bartholomaios ist ein weltweit anerkannter Theologe und Ökumeniker. Besondere weltweite Anerkennung findet er für sein ökologisches Engagement, das ihm den Ehrennamen "Grüner Patriarch" einbrachte. Bischof Glettler berichtete dem Patriarchen auch über den neuen Pilger- und Bildungsweg "Via Laudato si'" in Tirol. Inspiriert ist der Weg von der Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus, die wiederum vom Umwelt- bzw. Schöpfungsengagement des Ökumenischen Patriarchen inspiriert war.

Bischof Glettler zeigte sich im Anschluss an die Begegnung beeindruckt von der Persönlichkeit des Patriarchen: "Seine Aufgeschlossenheit und sein wacher, frischer und zuversichtlicher Blick auf die großen Herausforderungen unserer Zeit haben mich beeindruckt", so der Bischof wörtlich gegenüber Kathpress.

Patriarch Bartholomaios feiert in wenigen Wochen sein 35-jähriges Amtsjubiläum. Im Oktober 1991 wurde er zum Patriarchen gewählt. Der Sitz des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel befindet sich in Istanbul. In der Türkei selbst leben aber nur mehr wenige Tausend griechisch-orthodoxe Christen. Während deren Zahl stetig sinkt, sind dem Patriarchat direkt rund 3,5 Millionen Kirchenmitglieder in Teilen von Griechenland sowie in der Diaspora in Nord- und Südamerika, Mittel- und Westeuropa und in Australien unterstellt.

Kritik am Moskauer Patriarchen

Bei einem Festgottesdienst in Istanbul übte Patriarch Bartholomaios einmal mehr heftige Kritik am russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill. Dass der Moskauer Patriarch den Krieg Russlands gegen die Ukraine als "Heiligen Krieg" bezeichnet und Soldaten, die gegen "ihre ukrainischen Brüder" kämpften, ewiges Leben verspricht, sei unerträglich, so Bartholomaios.

Der Patriarch feierte am Sonntag die Göttliche Liturgie in der historischen Kirche St. Paraskevi in Hasköy in Istanbul. Die Kirche dient der rumänischsprachigen orthodoxen Gemeinde Istanbuls als Gotteshaus. Bartholomaios hob deshalb auch die engen Beziehungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der rumänisch-orthodoxen Kirche hervor.
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