Einst umstrittenes Geldinstitut zeichnet sich seit einigen Jahren durch Transparenz und Einhaltung ethischer Standards aus - auch unter neuem Direktor aus Luxemburg
Vatikanstadt, 28.07.2026 (KAP) Die Vatikanbank IOR hat zum zweiten Mal einen sogenannten Nachhaltigkeitsbericht über ihre Arbeit vorgelegt. Der am Dienstag im Netz veröffentlichte Bericht umfasst 100 Seiten und ist damit deutlich umfangreicher als der im vergangenen Jahr erstmals vorgelegte Bericht. Zugleich ist es das erste Rechenschaftspapier des Finanzinstituts, das unter der Ägide des neuen, aus Luxemburg stammenden Aufsichtsratschefs Francois Pauly vorgelegt wurde.
Der Report listet unter anderem die ethischen Prinzipien auf, nach denen die Vatikanbank investiert. Dazu zählen der Schutz des Lebens ebenso wie die Bewahrung der Schöpfung, die Achtung der Arbeiterrechte und andere Prinzipien der katholischen Soziallehre. Nach Selbstauskunft der Bank werden 100 Prozent der Investments gemäß diesen Kriterien getätigt.
Trotz dieser selbst auferlegten Einschränkungen konnte das IOR laut dem Bericht im vergangenen Jahr seine Wertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr von 50 Millionen auf 67,6 Millionen Euro steigern. Mehr als ein Drittel der Wertschöpfung (36 Prozent) wurden demnach an den Papst abgeführt.
Der Netto-Gewinn nach Abzug der Gehälter und weiterer Kosten belief sich 2025 auf 51 Millionen Euro, im Jahr 2024 hatte er noch bei 32,8 Millionen Euro gelegen. Die Gewinnsteigerung hatte die Bank bereits am 11. Mai mitgeteilt.
Weder Rüstungs- noch Alkohol-Aktien
Neben den ethischen Prinzipien listet der Bericht auch die Anlagesparten aus, in denen die Bank im Jahr 2025 Kapital investierte. Der Löwenanteil (42,6 Pozent) wurde in Staatsanleihen angelegt, gefolgt von Anlagen im Bankensektor (23,5 Prozent). Rund 12 Prozent der Anlagen wurden auf die Sektoren Konsumwerte, Technologie, Versicherungen und Kommunikation verteilt. Investitionen in Rüstungsunternehmen, Chemiekonzerne oder Alkoholika-Hersteller sind der Bank gemäß ihren eigenen Maßstäben untersagt.
Besonderen Nachdruck legte das IOR im Berichtsjahr auf die Mitarbeiter-Fortbildung. 300 von 2.700 Fortbildungsstunden seien allein Themen wie Compliance (Einhaltung von Regeln und Normen), sowie weitere auch der religiösen Fortbildung gewidmet gewesen.
IOR stellt nur Katholiken an
Der Bericht betont, dass es keine Fälle von Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht gegeben habe. Zugleich weist er darauf hin, dass die Anforderung einer Zugehörigkeit zur katholischen Kirche ein Kriterium sei, um "Anstellungen in Kohärenz mit den grundlegenden Prinzipien und dem Auftrag des IOR" zu garantieren.
Dabei handle es sich jedoch "nicht um ein Element der Diskriminierung." Im Nachhaltigkeits-Bericht des Vorjahres hatte es noch keinen Hinweis dieser Art gegeben.