Gründerin des Wiener "Häferl" und langjährige Gefängnisseelsorgerin im 85. Lebensjahr verstorben
Wien, 28.07.2026 (KAP) Die Evangelische Kirche trauert um Gerlinde Horn. Die Gründerin des Wiener Sozialprojekts "Häferl" und langjährige Gefängnisseelsorgerin ist am vergangenen Freitag (24. Juli) im 85. Lebensjahr verstorben. "Mit Gerlinde Horn verlieren zahlreiche Menschen in Not eine fürs Leben wertvolle Person, die immer echt, nahbar und voller Zuspruch war", betonte der Wiener Superintendent Matthias Geist gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag.
Geist würdigte Horn als "frühe und wesentliche Mentorin" der Gefängnisseelsorge. Durch die Gründung des "Häferl", das heute von der Stadtdiakonie Wien geführt wird, und ihre langjährige Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen sei sie vielen Notleidenden persönlich bekannt gewesen.
Horn habe sich insbesondere um Menschen in materieller Armut und seelischer Bedürftigkeit sowie um straffällig gewordene Menschen und Untergebrachte des Maßnahmenvollzugs gekümmert, so Geist. Dies habe sie "auf oft unkonventionelle, aber ehrliche und vertrauensfördernde Weise" getan. In Gemeinde, Diözese und Gesamtkirche sei Horn in der "Nachfolge Jesu" über Jahrzehnte "mitten im Geschehen der Menschen" gestanden und damit "unverzichtbar" gewesen. "So werden wir sie als einzelne und als evangelisches Wien vermissen, ihr Lebenswerk und ihre liebenswürdige Art im Gedächtnis behalten und ihr Zeugnis weitertragen", so der Wiener Superintendent gemeinsam mit Superintendentialkuratorin Petra Mandl in einem Nachruf.
Horn wurde 1941 in Klagenfurt geboren und trat nach ihrem Schulabschluss mit 19 Jahren in eine evangelische Schwesternschaft ein. Dort begann ihr Engagement für benachteiligte Menschen. Sie initiierte zahlreiche soziale Projekte, darunter das Wiener "Häferl", das warme Mahlzeiten für Menschen in Notlagen anbietet. Ursprünglich war die Einrichtung als Anlaufstelle für Haftentlassene und Freigänger gegründet worden.
Neben ihrem sozialen Engagement in Österreich leitete Horn auch Entwicklungsprojekte in Afrika. Sie war mit dem ehemaligen Wiener Superintendenten Werner Horn verheiratet. Für ihren Einsatz erhielt sie den Kärntner Menschenrechtspreis. Zudem veröffentlichte sie mehrere Bücher im Evangelischen Presseverband, darunter "Interview mit einem toten Fisch" (2000), "Yao - Mein Afrika" (2006), "Die Geschichten danach" (2017) und "Wo die Wüste aufhört, beginnt der Himmel" (2007). In ihrer Lyrik und Prosa setzte sie sich auseinander mit den Lebensgeschichten und Problemen der Menschen, denen sie begegnete.