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Pfarrer von Gaza: Humanitäre Situation immer schlimmer

29.07.2026 13:10
Palästina/Kirche/Papst/Krieg/Wiederaufbau
Argentinisch-stämmiger Priester in Videobotschaft: Bezeichnung "katastrophal" nicht stark genug - Prekäre Treibstoffversorgung als eines der Hauptprobleme
Gaza-Stadt, 29.07.2026 (KAP) Die humanitäre Lage im Gazastreifen hat sich nach Angaben des Pfarrers der einzigen römisch-katholischen Gemeinde in Gaza, Gabriel Romanelli, weiter verschärft. "Wenn man sagt, dass die Situation hier katastrophal ist, glauben Sie mir: Sie ist wirklich katastrophal, wenn sie nicht sogar ein noch stärkeres Wort erfordern würde", sagte der aus Argentinien stammende Priester in einer Videobotschaft vom Mittwoch.

Romanelli berichtete von einem nahezu vollständigen Zusammenbruch der Infrastruktur. Selbst die Mobilität sei zu einer großen Herausforderung geworden. Von den Fahrzeugen der Pfarre seien viele wegen fehlender Ersatzteile nicht mehr einsatzfähig. Auch das letzte noch funktionierende Fahrzeug der Priester sei wegen schlechter Motoröle und eines verstopften Dieselsystems beinahe ausgefallen. Die Qualität der verfügbaren Materialien sei äußerst schlecht, zudem gebe es immer wieder Betrugsfälle.

Besonders problematisch sei die Versorgung mit Treibstoff. "Ein Liter Diesel kann etwa 13 Dollar kosten", sagte Romanelli. Zusätzlich werde in Gaza teilweise ein improvisierter Treibstoff aus recyceltem Plastik und Nylon hergestellt. Dieser sei jedoch von sehr geringer Qualität und könne Generatoren und Fahrzeuge beschädigen. Die Lage sei inzwischen so schwierig, dass Romanelli erwogen habe, die Fahrzeuge der Pfarre durch einen von einem Esel gezogenen Wagen zu ersetzen. Doch auch das sei kaum möglich: Ein Esel koste mittlerweile rund 50.000 Schekel, also etwa 16.000 bis 17.000 Dollar. Vor dem Krieg habe der Preis zwischen 300 und 600 Dollar gelegen.

Transportmöglichkeiten seien jedoch lebensnotwendig, betonte der Priester. Sie würden benötigt, um Krankenhäuser, Arbeitsplätze und Schulen zu erreichen, Kranke zu besuchen oder Hilfsgüter zu bringen. Gaza sei "nicht so klein, dass man alles zu Fuß erledigen kann", zumal zahlreiche Straßen vollständig zerstört seien.

Internationale Truppen wären "erster Schritt"

Trotz der dramatischen Lage gebe es einzelne Hoffnungsschimmer. Romanelli verwies auf Berichte israelischer Medien, wonach die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu einer ersten Präsenz einer internationalen Truppe im Gebiet Rafah zugestimmt habe. Dies könne "zumindest ein erster Schritt" sein. Vorrangig seien jedoch weiterhin Wiederaufbau und die Versorgung mit den grundlegenden Dingen des täglichen Lebens: "Die Menschen leben mit nichts. Es braucht sicherlich Maßnahmen zum Wiederaufbau, aber auch alles, was für den Alltag notwendig ist."

Zuvor hatte Romanelli sich für den erneuten Friedensappell von Papst Leo XIV. zum Heiligen Land bedankt. Der Papst stehe weiterhin in regelmäßigem Kontakt mit der Pfarrei. In einer Videobotschaft nach dem Angelus-Gebet vom vergangenen Sonntag berichtete Romanelli von einer Nachricht des Papstes, in der dieser den Menschen in Gaza seine Nähe versichert habe: "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diejenigen denke und für sie bete, die leiden. Danke, dass ihr ihnen beisteht."

Leo XIV. hatte erneut dazu aufgerufen, den Krieg zu beenden, die Gewalt im Gazastreifen und im Westjordanland zu stoppen und konkrete politische Lösungen zu suchen. Alle Konfliktparteien sollten dazu die Angriffe einstellen und wieder Raum für Diplomatie und Gespräche schaffen.

Landschaft nach einem Tsunami

Auch in einem Schreiben für den Pfarrbrief seiner katholischen Gemeinde schilderte Romanelli die Situation in Gaza als äußerst schwierig. Zwar gebe es seit dem Waffenstillstand im Oktober 2025 keine großflächigen Bombardierungen mehr, dennoch habe sich die Lage nicht grundlegend verbessert. Gaza gleiche "einer Landschaft nach einem Tsunami, die ihrem Schicksal überlassen ist". Menschen würden weiterhin sterben, Krankheiten nähmen zu, und viele Verletzte könnten nicht außerhalb des Gazastreifens behandelt werden.

Die katholische Gemeinde bemühe sich weiterhin, den Menschen vor Ort zu helfen, denn: "Auch wenn der menschliche Horizont noch sehr düster erscheint, ist ein Funken Hoffnung auf Frieden zwischen Palästina und Israel möglich."
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